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Die kranke Republik

Körper- und Krankheitsmetaphern in politischen Diskursen der Weimarer Republik

Knut Langewand

Wie eine Demokratie krank gemacht wird, indem sie als siech, Geschwür oder Virus bezeichnet wird, kann man am Beispiel der Weimarer Republik ablesen.

Dieses Buch nähert sich der Verbindung von Krankheit und Krise aus der Perspektive demokratischer Spitzenpolitiker Weimars, die zermürbt von republikfeindlichen Anfeindungen krankheitsbedingt ihr Amt aufgaben.

Metaphern wie die des „kranken Volkskörpers" fanden Verbreitung in zeitgenössischen Debatten über Politik – bei Journalisten und Wirtschaftswissenschaftlern ebenso wie in Medizin, Psychologie oder Biologie. Dem Eindruck einer andauernden Krise der Demokratie wurde so Vorschub geleistet.

Es zeigt sich, dass Krankheitsmetaphern wegen ihres gegen Moderne und Aufklärung gerichteten Bedeutungskerns und ihres Beitrags zu einer Verengung realer Handlungsoptionen für ein Gemeinwesen problematisch, ja gefährlich sind.

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4. Die kranken Männer Weimars

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4.  Die kranken Männer Weimars

„Unsre Krankheiten sind zumeist politische Krankheiten. Wenn uns der Atem wegbleibt, wenn das Blut in den Adern stockt, das Herz aussetzt, dann hat sich unser Überdruß im Organismus eingenistet, dann reagieren wir mit unsrer ganzen Person.“ (Peter Weiss)712

4.1  Einleitung: Krankheit als Metapher

Im vorangegangenen Teil habe ich gezeigt, auf welch unterschiedliche Weise Krankheitsmetaphern als Instrumente im politischen Diskurs fungierten: im Kontext der Volkskörper-Idee, als Beschreibung des kollektiven Zustands des deutschen Volkes, als Kritik am kapitalistischen Wirtschaftssystem oder direkt als Delegitimierung der von Geburt an „kranken“ Republik. Ist es zuvor also um den angenommenen realen, d. h. körperlichen und insbesondere Krankheitsaspekt sprachlicher Phänomene gegangen, handelt das folgende Kapitel von der sprachlichen, genauer: metaphorischen Verarbeitung „materieller“ Krankheitsphänomene gleichsam als sprachliche Manifestationen realer, d. h. körperlich-medizinischer Phänomene als Interpretamente von und in der Politik.

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