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Geschäftsmodell Judenhass

Martin Hilti – «Volksdeutscher» Unternehmer im Fürstentum Liechtenstein 1939–1945

Franco Ruault

Das Buch untersucht das Leben des Liechtensteiner Unternehmers Martin Hilti (1915–1997) und seine Beziehung zum Nationalsozialismus im Fürstentum Liechtenstein. Der Begründer der Maschinenbau Hilti, der heutigen Hilti AG in Schaan, war einer der aggressivsten Verfechter des Nationalsozialismus im Fürstentum. Im berüchtigten Hetzblatt «Der Umbruch» denunzierte, verhöhnte und verspottete Hilti jahrelang Juden in Liechtenstein und forderte die Vernichtung der «jüdischen Rasse». Der Autor analysiert, welchen Einfluss Hiltis radikalökonomische Einstellung auf sein Leben, sein Wirken und, nicht zuletzt, auf sein Unternehmen hatte. Das Buch zeichnet das Bild von Martin Hilti, vom radikalen Nationalsozialisten zum Vorzeigeunternehmer.

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I. Der Agent des Aufruhrs: Politisierung und Propaganda

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I. Der Agent des Aufruhrs: Politisierung und Propaganda

1 „Mit heißem Kopf und mit Begeisterung“

„Das ist das Einzige, mit dem Sie meinen Vater angreifen können. Das ist der wunde Punkt. In seinem Lebenswerk ist er sonst nicht angreifbar“, entgegnet Michael Hilti (*1946), der Sohn von Martin Hilti und sein Nachfolger im Unternehmen, als er von uns auf die Aktivitäten seines Vaters Anfang der 1940er Jahre angesprochen wird.18 „Er wollte nie, dass etwas bleibt, wie es ist. Er fühlte sich berufen zu verändern, es lag an seiner kreativen Unruhe, die ihn zeitlebens umtrieb“.19 Martin Hilti war anders, auf eine Art jedoch, die ihn bereits sehr früh in Konflikt mit zahlreichen Autoritäten bringen sollte.

Seine Eltern unterhielten in den 1920er Jahren einen fortschrittlichen Metzgereibetrieb. In der damals knapp 1.000 Einwohner zählenden Gemeinde Schaan waren sie eine begüterte und daher angesehene Familie gewesen. Bei seiner Geburt als zweitjüngstes von elf Kindern am 8. Mai 1915 entsprach es dem Wunsch seines Vaters, Joseph Hilti, der ein tiefreligiöser Mann war, dass sein Sohn Martin Pfarrer werden sollte. Martin Hilti trat im Schuljahr 1926/27 in das angesehene Jesuitenkolleg Stella Matutina in Feldkirch ein.20

Es zeigte sich jedoch bald, dass dieser Junge sich nicht unterordnen konnte und es scheinbar auch nicht wollte. Er scheute sich auch nicht, die geistlichen Autoritäten, welche in dieser berühmten Institution lehrten, herauszufordern. Er musste die vorzügliche Ausbildungsstätte...

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