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Psychologie und Totalitarismus

Die Abwendung vom Humanitätsgedanken in der Psychologie und die Folgen (ca. 1895–1945)

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Susanne Guski-Leinwand

Die große historische und politische Frage: «Wie konnte das geschehen?» erhält auf Basis dieses Buches eine Antwort aus psychologischer Sicht. Die Autorin präsentiert neue Aspekte in der Totalitarismus-Forschung: Sie stellt die Bedeutungen psychologischer Ansätze und ihr Hineinwirken in politische Konzepte bis hin zum Nationalsozialismus dar und analysiert sie in ihren Zusammenhängen. Sie untersucht, bis zu welchem Moment die Psychologie in Deutschland sich dem Humanitätsgedanken verpflichtet sah und wann bzw. wodurch sich dieses änderte. So konnten z. B. ein psychologischer Darwinismus, organisches Denken und antisemitische Positionen Einzug halten. Bisher unbekannte politische Konzepte bedienten sich der Psychologie und umgekehrt, schließlich opferte man den Humanitätsgedanken. Prominente Fachvertreter des 20. Jahrhunderts trugen unterschiedlich stark hierzu bei. Das Buch stellt Konzepte und Beteiligte in ihren zugehörigen Kontexten vor. Ein bisheriger «weißer Fleck» der Geschichte erhält Konturen.

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1. Der Humanitätsgedanke in der Psychologie zu Beginn des 20. Jahrhunderts: Sein Verlust und ‚Ganzheit‘ als neue Orientierung in der Psychologie

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1. Der Humanitätsgedanke in der Psychologie zu Beginn des 20. Jahrhunderts: Sein Verlust und ‚Ganzheit‘ als neue Orientierung in der Psychologie

Der Begriff der Humanität wurde gegen Ausgang des 18. Jahrhunderts von Johann Gottfried Herder in seinem Werk „Briefe zur Beförderung der Humanität“ (1793/97)6 vorgestellt. Auch bei Immanuel Kant findet man die sogenannte Menschheitsformel (Kant, 1785, S. 429). Zum Humanitätsgedanken in der Psychologie hat sich in Deutschland im 20. Jahrhundert Wilhelm Wundt eingehend geäußert und ihn im Zusammenhang mit seinen völkerpsychologischen Lehren explizit als einen Aspekt menschlicher Entwicklung benannt (Wundt, 1912b). Seine Publikation erschien in jenem Jahr, als ihm achtzigjährig für seine wissenschaftlichen Verdienste der Orden „Pour le merite“ verliehen wurde (vgl. hierzu auch Guski-Leinwand, 2009c).

Abb. 1: Reprofotografie von Prof. Dr. Wilhelm Wundt aus „Die Umschau“ (1917, S. 635)

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Als „Entwicklung zur Humanität“ sah Wundt „die mit klarem Bewußtsein hervortretende Humanitätsidee selbst, die wir in ihrer Ausbreitung über einen zureichend großen, ihr eine dauernde Macht sichernden Teil der Menschheit und in ihrem Einfluß auf die verschiedenen Faktoren der Kultur wohl als eine Entwicklung zur Humanität bezeichnen dürfen.“ (Wundt, 1912b, S. 469 f.)7.

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