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Psychologie und Totalitarismus

Die Abwendung vom Humanitätsgedanken in der Psychologie und die Folgen (ca. 1895–1945)

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Susanne Guski-Leinwand

Die große historische und politische Frage: «Wie konnte das geschehen?» erhält auf Basis dieses Buches eine Antwort aus psychologischer Sicht. Die Autorin präsentiert neue Aspekte in der Totalitarismus-Forschung: Sie stellt die Bedeutungen psychologischer Ansätze und ihr Hineinwirken in politische Konzepte bis hin zum Nationalsozialismus dar und analysiert sie in ihren Zusammenhängen. Sie untersucht, bis zu welchem Moment die Psychologie in Deutschland sich dem Humanitätsgedanken verpflichtet sah und wann bzw. wodurch sich dieses änderte. So konnten z. B. ein psychologischer Darwinismus, organisches Denken und antisemitische Positionen Einzug halten. Bisher unbekannte politische Konzepte bedienten sich der Psychologie und umgekehrt, schließlich opferte man den Humanitätsgedanken. Prominente Fachvertreter des 20. Jahrhunderts trugen unterschiedlich stark hierzu bei. Das Buch stellt Konzepte und Beteiligte in ihren zugehörigen Kontexten vor. Ein bisheriger «weißer Fleck» der Geschichte erhält Konturen.

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6. Reflexion der Ergebnisse aus den Kapiteln 4 und 5

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6. Reflexion der Ergebnisse aus den Kapiteln 4 und 5

In den vorangegangenen fünf Kapiteln wurde der Frage nachgegangen, von welchen Paradigmen, Ideen und Einflüssen die Psychologie im Verlaufe der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts gesteuert wurde. Es ist ausführlich dargelegt worden, dass sowohl ideengeschichtliche als auch gesellschaftliche Strömungen zu einer Integration antisemitischer Haltungen und politischer Konzeptionen auf organischer Basis führten, die in Verbindung mit Naturlehren und der Deszendenztheorie darwinistische Ansätze bzw. einen ethnozentristischen und psychologischen Darwinismus in der Psychologie in Deutschland erkennen lassen. Es wurde am Beispiel des -codierten (vgl. Holle, 1925)- Ganzheitsbegriffes gezeigt, dass kommunikationspsychologisch sowohl ein Doublespeak-Phänomen als auch Indexikalität nachweislich zu einer Verschleierung ideologisch-programmatischer Zielsetzungen beigetragen haben, welche sich kommunikationspsychologisch reflektieren lassen (vgl. Frindte, 2001).

Es zeigte sich besonders in den Kapiteln 4 und 5, dass der Mensch an sich in der Psychologie aus deszendenztheoretischer Perspektive diskutiert wurde, als die Zeit des Ersten Weltkriegs begann und fortan eine andere Idee, die Idee der organischen Organisation, leitend wurde. Die deszendenztheoretische Gedankenführung zeigt sich vor allem über Kruegers Ausführungen des ganzheitlichen Menschentyps (Krueger, 1932b, S. 10), der einer spezifischen Artung zugeschrieben wurde. Dieser Entwurf nährte sich aus einer „kollektivistische(n) Kulturgeschichte (Lamprecht, 1896a), zu der sich Konzepte des „Ordnend herrschen“ (Lamprecht, 1897c) und der psychogenetischen Geschichtsauffassung mittels der Darstellung der Entwicklungsstufen des Seelenlebens als Entwicklungsstufen einer Nation (Lamprecht, 1902, S. 139 ff.) gesellten. Diese Vorstellungen haben sich im Lehrgebäude Felix...

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