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«La nostalgia del sacro» – Die Poetik von Pier Paolo Pasolini im Spannungsfeld von Heiligem und Profanem

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Franziska Andraschik

Der Band erfasst die Simultanität von religiösen und säkularen Diskursen im Werk von Pier Paolo Pasolini. Ausgehend von Pasolinis theoretischen und gesellschaftspolitischen Schriften analysiert die Autorin die spezifische Ästhetik des Werkes, die sich über einen weitreichenden Mediendialog entfaltet und die Heiligung des Profanen wie die Profanation des Heiligen verhandelt. Die Basis des Buchs bildet die systematische Untersuchung der unterschiedlichen Referenzsysteme. Der Band beschreibt die musikalischen, pikturalen und literarischen Referenzen in Romanen und Filmen nicht als isolierte Phänomene, sondern als Bestandteil eines umfassenden und kontinuierlichen Verfahrens und verortet dieses im Kontext der Romania.

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III. Eine Verortung oder die Suche nach dem Heiligen

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III.   Eine Verortung oder die Suche nach dem Heiligen

„The presence of the archaic within contemporary life completes in Pasolini’s oeuvre a vision of the present in an allegorical projection of the past.“142

3.1   Die säkulare Gesellschaft

„Lasciate ogni speranza, voi ch’ entrate!“143

Das seit Ende der siebziger Jahren so viel zitierte „Verschwinden der Glühwürmchen“144, das Pier Paolo Pasolini in einem 1975 veröffentlichten Artikel konstatierte, scheint zum Sinnbild seiner Gesellschaftskritik geworden zu sein, das die Transformation der modernen Gesellschaft und die einhergehende Zerstörung des Individuums durch den Konsum beschreibt. Anhand der Schlagwörter von »Homogenisierung« und »Totalität« konturiert Pasolini den umfassenden Wandel Italiens von einem agrarischen in einen industriellen Staat. Er sieht hierin die Existenzbedrohung von kultureller Vielfalt, die Aufgabe von eigenen Lebensformen und letztlich den Verlust der Individualität hin zu einem allgegenwärtigen Konformismus ausgelöst. In einem solchen Prozess der Angleichung ist es insbesondere das Individuum, das in den Fokus der Diagnose rückt. Mit anderen Worten: „Der Einzelne wird gegenüber den ökonomischen Mächten vollends annulliert.“145 Diese Feststellung, rund dreißig Jahre zuvor in der Dialektik der Aufklärung (1944) getroffen, beschreibt ein System, das bei Pasolini als „Konsumgesellschaft“, bei Theodor W. Adorno und Max Horkheimer als „Kulturindustrie“ bezeichnet wird, sich aber letztlich rein durch die Begrifflichkeiten ← 47 | 48 → unterscheidet, wie Hoffmann und Weber betonen.146 Damit hatten bereits die Autoren der Frankfurter Schule...

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