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«La nostalgia del sacro» – Die Poetik von Pier Paolo Pasolini im Spannungsfeld von Heiligem und Profanem

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Franziska Andraschik

Der Band erfasst die Simultanität von religiösen und säkularen Diskursen im Werk von Pier Paolo Pasolini. Ausgehend von Pasolinis theoretischen und gesellschaftspolitischen Schriften analysiert die Autorin die spezifische Ästhetik des Werkes, die sich über einen weitreichenden Mediendialog entfaltet und die Heiligung des Profanen wie die Profanation des Heiligen verhandelt. Die Basis des Buchs bildet die systematische Untersuchung der unterschiedlichen Referenzsysteme. Der Band beschreibt die musikalischen, pikturalen und literarischen Referenzen in Romanen und Filmen nicht als isolierte Phänomene, sondern als Bestandteil eines umfassenden und kontinuierlichen Verfahrens und verortet dieses im Kontext der Romania.

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IV. Analysen

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IV.   Analysen

4.1   Musik als Ausdruck des Unsagbaren

„[B]eim Anhören der Matthäuspassion von Bach hatte mich der düster mächtige Leidensglanz dieser geheimnisvollen Welt mit allen mystischen Schauern überflutet. Ich finde heute noch in dieser Musik, und im »Actus tragicus«, den Inbegriff aller Poesie und alles künstlerischen Ausdrucks.“349

Rückblickend äußert sich Pier Paolo Pasolini über die Entstehung seines ersten Films Accattone folgendermaßen:

[Q]uando pensavo genericamente di fare un film, pensavo che non avrei potuto commentarlo altrimenti che con la musica di Bach; un po’ perché è l’autore che amo di più; e un po’ perché per me la musica di Bach è la musica a sé, la musica in assoluto… Quando pensavo ad un commento musicale, pensavo sempre a Bach, irrazionalmente, e così ho mantenuto, un po’ irrazionalmente, questa predilizione [sic!] iniziale.350

Erste Ausformungen einer Reflexion Pasolinis über Musik finden sich bereits in den frühen vierziger Jahren. Wie dem vielzitierten Brief an Franco Farolfi zu entnehmen ist, werden erstmals Aspekte zur Formulierung gebracht, die sich später in der Filmpraxis zum eindrücklichen Verfahren entwickeln. Bestechend ist zunächst ein von enormer Sensibilität getragenes Begreifen von Musik, das sich an deskriptiven Elementen stört und sich auf das eigenständig Musikalische stützt:

Ora, non riesco compiutamente ad esprimermi perché è la prima volta che scrivo di cose musicali, e l’espressione mi sfugge: ma vorrei...

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