Show Less
Restricted access

Otto Freundlich (1878–1943)

Individualist im Netzwerk der Pariser Avantgarde – Das Frühwerk

Lena Reichelt

Die Autorin analysiert umfassend das Frühwerk des deutschen Künstlers Otto Freundlich (1878–1943). Dieser begann bereits während seines ersten Paris-Aufenthaltes 1908 eine eigenständige, nicht-gegenständliche Formensprache zu entwickeln, ohne sich wie zahlreiche seiner Zeitgenossen den vorherrschenden Kunststilen anzupassen oder unterzuordnen: «Ich habe […] nach meiner inneren Überzeugung geschaffen, die verlangte, von der Tradition abzugehen.» Anhand der Rekonstruktion seines Netzwerkes positioniert die Untersuchung den Künstler als selbstbewussten Wegbereiter der Abstraktion innerhalb der Pariser Avantgarde.

Show Summary Details
Restricted access

3 Erste Paris-Aufenthalte: 1908–1909

Extract

3 Erste Paris-Aufenthalte: 1908–1909

3.1 Exkurs: Café du Dôme

Das Pariser Café du Dôme, seit Anfang des 20. Jahrhunderts bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges Treffpunkt deutscher Künstler in der französischen Kunstmetropole, war für deutsche Neuankömmlinge viel mehr als nur ein Ort der Zusammenkunft mit Gleichgesinnten. Zwar trafen sich Deutsche auch in privater Umgebung, in Künstlerateliers oder Wohnungen, wie etwa denjenigen des Sammlerehepaares Stein oder des Malers Felix Borchardt,384 und doch besaß das Café du Dôme einen besonderen Stellenwert. Öffentlich zugängig, wurde hier jeder deutsche Neuankömmling aufgenommen, bekam Unterstützung bei praktischen Anliegen wie Wohnungs-, Atelier- und Arbeitssuche oder bei der Beantragung von notwendigen französischen Aufenthaltsgenehmigungen. Insbesondere die Sprachprobleme vieler Neuankömmlinge konnten so zunächst umgangen werden. Viele kamen aus München und später auch aus den Berliner Bohème-Kreisen nach Frankreich und hatten in den Jahren vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges versucht eine Verbindung zwischen Deutschland und Frankreich aufzubauen.

Gegründet 1898 als eines der typischen Pariser Kaffeehäuser,385 wie sie sich seit Mitte des 19. Jahrhunderts als Orte des gesellschaftlichen Austausches entwickelt hatten,386 befindet sich das Café du Dôme noch heute an der Ecke Boulevard de Montparnasse und Rue Delambre im Stadtviertel Montparnasse.

Während der ersten Jahre seines Bestehens galt es als Treffpunkt amerikanischer Studenten und Künstler, die in den umliegenden Straßen ihre Wohnungen und Ateliers bezogen hatten. Ab...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.