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Christliche Wissenssysteme und «Strategien des Übersetzens» im Missionierungskontext

Die Darstellung der tagalischen Religion im 17. und 18. Jahrhundert

Imke Rath

In ihrer Studie begibt sich die Autorin auf die Suche nach den Spuren einer vergangenen Religion aus den philippinischen Tagalog-Provinzen. Eine Verbindung von diskurs- und begriffsgeschichtlichen Ansätzen mit einer sprachwissenschaftlichen Analyse dient zur Untersuchung der kolonialen und postkolonialen Wissensproduktion und ermöglicht eine Neubewertung des lückenhaften Bildes, das von der Religion vorherrscht. Ziel ist es, exemplarisch den Mehrwert durch die Einbindung des Konzepts der Kulturellen Übersetzung und der «Area Studies» in die kulturhistorische Forschung aufzuzeigen. Am Ende der Studie steht eine neue Interpretation der einzelnen Bestandteile der tagalischen Religion, die als Grundlage für weiterführende Untersuchungen dienen soll.

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1 Einleitung

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1 Einleitung

1.1 Auf der Suche nach einer ‚ursprünglichen‘ Religion

Religion ist ein zentraler Bestandteil des Lebens einer Mehrheit der Weltbevölkerung. Sie organsiert und strukturiert den Alltag und bietet ihren Anhängerinnen und Anhängern2 Orientierung für Handlungen und Lebensführung. Das Weltbild vieler Menschen ist mit ihrer jeweiligen Religion verflochten.

Religion verbindet nicht nur Individuen, sondern prägt Gesellschaften und spielt in der Herausbildung von Nationen eine wichtige Rolle. Zwar versteht Benedict Andersons in seiner Säkularisierungsthese Nationalstaaten als eine Art Ersatz oder Nachfolger religiöser Gemeinschaften,3 doch zeigen verschiedene Studien, die auf seinen Grundüberlegungen aufbauen, welche wichtige Rolle die religiöse Identität als Teil des kulturellen Erbes und Basis des Wertesystems auch in der Bildung moderner Nationen spielt.4 Oft ist Religion ein elementarer Bestandteil der nationalen Vergangenheit.

Anderson prägte den Begriff der imagined communities, um die Konstruiertheit von Nationen hervorzuheben. Eric Hobsbawm wies mit seinem Ansatz der invented traditions auf (künstliche) Kontinuitäten hin, die Menschen in der Bezugnahme auf ihre Geschichte als Legitimation für Handlungen und zur Stärkung der Gruppenkohäsion herbeiführen. So spiegle sich die Erfindung von Traditionen in besonderem Maße in der Beziehung der Menschen zu ihrer Vergangenheit wider.5←11 | 12→ Im Hinblick auf ehemals kolonisierte Gesellschaften bezeichnet Frantz Fanon nationale Kultur als die Gesamtheit von Bestrebungen, die Menschen anstellen, um ihre Handlungen als Gruppe zu beschreiben und zu rechtfertigen, eine Nation zu erschaffen und...

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