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Sein, Sinn und Werte

Phänomenologische und hermeneutische Perspektiven des europäischen Denkens

Series:

Yvanka B. Raynova

Das zentrale Anliegen des Buches ist es zu zeigen, dass die Phänomenologie nicht nur aus dem Krisis-Denken entstanden ist, sondern, dass dieses es ihr auch ermöglicht hat, sich immer weiter zu entwickeln. Dadurch ist eine Vielzahl an phänomenologischen Richtungen und Methoden entstanden. Ferner wird gezeigt, inwiefern die Krise der Vernunft zu einer Krise des Sinns und des Seins führt, die wiederum die Werte infrage stellt und eine Wertkrise auslöst. Diese axiologische Unsicherheit, namentlich bei Sartre, Arendt, Ricœur und Derrida, spitzt sich in der Problematik der Verantwortung und des Menschlichen – die Menschenwürde und die Menschenrechte inbegriffen – besonders zu und mündet in die Notwendigkeit eines Umdenkens von Geschichte und Gemeinschaft.

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1. Beginnt die phänomenologische Bewegung mit Franz Brentano?

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How far it is legitimate to begin the history of the Phenomenological Movement with Franz Brentano?1

Dies ist die Frage, die sich Herbert Spiegelberg zu Beginn seines maßgebenden Werkes The Phenomenological Movement. A Historical Introduction (1982) stellt. Die Antwort, die er darauf gibt, ist schlicht und zugleich deutlich: Die Tatsache, dass Husserl bei Brentano studiert und ihn als seinen "einzigen Lehrer im Bereich der Phänomenologie" anerkannt habe, berechtige dazu, Brentanos Philosophie als wegweisend für die Phänomenologie zu betrachten.2 Dies erscheint mir jedoch keine ausreichende Begründung dafür, die Geschichte der Phänomenologie mit Brentano zu beginnen, denn verwiesen wird nur auf Brentanos Autorität als "Lehrer", nicht aber auf die inhaltliche Rezeption. Genauso gut könnte man Descartes als Husserls Lehrer bezeichnen, da er ja, so Husserl, "der erste Philosoph [war], der eine phänomenologische Reduktion vollzogen hat"3. Würde das dann bedeuten, dass die Geschichte der phänomenologischen Bewegung auf Descartes zurückzuführen ist?

Spiegelbergs Interpretation erscheint mir problematisch, weil sie einzig und allein darauf abzielt die Originalität der Husserl'schen Philosophie nachzuweisen, wobei Brentanos Einfluss als unwesentlich dargestellt wird, da auf seine Philosophie inhaltlich nicht eingegangen wird. Dies zeigt sich speziell in sei ← 13 | 14 → nen späteren Untersuchungen, wenn er nach Erforschung der Husserl-Brentano-Korrespondenz weiterhin nur die Schüler-Lehrer Beziehung hervorhebt:

For Husserl Brentano was the indispensable teacher who had supplied him with the tools for his own emancipation toward a...

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