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Sein, Sinn und Werte

Phänomenologische und hermeneutische Perspektiven des europäischen Denkens

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Yvanka B. Raynova

Das zentrale Anliegen des Buches ist es zu zeigen, dass die Phänomenologie nicht nur aus dem Krisis-Denken entstanden ist, sondern, dass dieses es ihr auch ermöglicht hat, sich immer weiter zu entwickeln. Dadurch ist eine Vielzahl an phänomenologischen Richtungen und Methoden entstanden. Ferner wird gezeigt, inwiefern die Krise der Vernunft zu einer Krise des Sinns und des Seins führt, die wiederum die Werte infrage stellt und eine Wertkrise auslöst. Diese axiologische Unsicherheit, namentlich bei Sartre, Arendt, Ricœur und Derrida, spitzt sich in der Problematik der Verantwortung und des Menschlichen – die Menschenwürde und die Menschenrechte inbegriffen – besonders zu und mündet in die Notwendigkeit eines Umdenkens von Geschichte und Gemeinschaft.

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5. Integrales Denken und konfliktueller Diskurs

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Welche Konsequenzen hat Leo Gabriels integral-logische Konzeption der Wahrheit des Ganzen für das Verständnis der Gesellschaft und worin sieht er die Aufgaben der Philosophie in diesem Bereich? Dies ist die Frage, mit der ich mich in diesem Kapitel auseinandersetzen werde. Dabei werde ich die Europa-Vision von Leo Gabriel, die auf das Prinzip der Integration baut, mit der Europa-Konzeption von Paul Ricœur vergleichen, die auf das Prinzip des konfliktuellen Konsenses setzt.

5.1. Das "offene System" als Alternative zur totalitären Systematik

Schon während des kalten Krieges, als weder der Ausgang noch das Ende des Kampfes zwischen dem kapitalistischen und dem kommunistischen System absehbar waren, spielte Leo Gabriel mit einer Zukunftsvision von Europa als einer Stätte des Dialogs verschiedener Weltanschauungen und Wertordnungen. "Harmonisierung des Daseins"1 und, konkreter, Überwindung der Gespaltenheit Europas – so könnte meines Erachtens Gabriels sozialphilosophisches "Programm" zusammengefasst werden. Dass Leo Gabriel nicht der erste Denker war, der die Überwindung der sogenannten "europäischen Krise" als Aufgabe des philosophischen Denkens thematisiert hat, ist Tatsache; man denke dabei an Husserl, Scheler, Jaspers, Sartre oder Patočka. Doch Gabriels Perspektiven und Lösungsansätze werfen ein neues Licht auf diese Problematik, dadurch, dass er die Krise im Sinne eines "gebrochenen Ganzen" zu deuten scheint. ← 129 | 130 →

Es ergibt sich nunmehr die Frage: Wie kommt es überhaupt zu solchen Brüchen und wie kann man sie überwinden?

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