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Sein, Sinn und Werte

Phänomenologische und hermeneutische Perspektiven des europäischen Denkens

Series:

Yvanka B. Raynova

Das zentrale Anliegen des Buches ist es zu zeigen, dass die Phänomenologie nicht nur aus dem Krisis-Denken entstanden ist, sondern, dass dieses es ihr auch ermöglicht hat, sich immer weiter zu entwickeln. Dadurch ist eine Vielzahl an phänomenologischen Richtungen und Methoden entstanden. Ferner wird gezeigt, inwiefern die Krise der Vernunft zu einer Krise des Sinns und des Seins führt, die wiederum die Werte infrage stellt und eine Wertkrise auslöst. Diese axiologische Unsicherheit, namentlich bei Sartre, Arendt, Ricœur und Derrida, spitzt sich in der Problematik der Verantwortung und des Menschlichen – die Menschenwürde und die Menschenrechte inbegriffen – besonders zu und mündet in die Notwendigkeit eines Umdenkens von Geschichte und Gemeinschaft.

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8. Von der Zurechnung zum Versprechen: Die willentlichen und unwillentlichen Dimensionen der Verantwortung

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8. Von der Zurechnung zum Versprechen:die willentlichen und unwillentlichen Dimensionen der Verantwortung1

Im vorhergehenden Kapitel habe ich die Bedeutung der Verantwortungsproblematik für die Entwicklung der phänomenologischen Denkrichtungen gezeigt. Dabei habe ich Paul Ricœurs Konzeption nur kurz erwähnt, da ich sie hier speziell behandeln möchte. Der Grund dafür ist, dass Ricœur immer wieder versucht hat, zwischen entgegengesetzten Positionen zu vermitteln, und weil seine Verantwortungsauffassung den Grundstein für ein neues Verständnis der Menschenwürde und der Menschenrechte gelegt hat, was kaum bekannt ist.

Die Verantwortungsproblematik, die Ricœur mehrfach erörtert hat, erscheint zunächst im Kontext einer Reflexion über das Selbst, das als handelndes, leidendes und fähiges Subjekt nicht nur für seine Handlungen zuständig ist, sondern auch gegenüber den Anderen, der Gemeinschaft und sich selbst gewisse Pflichten zu erfüllen hat. Kennzeichnend für Ricœurs Hermeneutik des "fähigen Menschen" (l'homme capable)2 ist, dass sie die Verantwortung auf mehreren Ebenen thematisiert – auf der historischen, der psychologischen, der ethischen, der politischen und der rechtlichen. Diese Ebenen bilden – und so lautet hier meine These – die verschiedenen Dimensionen des ← 222 | 223 → Willens, die aus der Zersplitterung wieder zu einer Einheit gebracht werden müssen, um die Verantwortung als integrales Ganzes verstehen zu können. Im Gegensatz zu denjenigen Autoren3, die nur eine partiale Interpretation der Verantwortung bei Ricœur unternommen haben, setzt sich der folgende Beitrag das Ziel, diese Einheit im Kontext der komplexen...

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