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Sein, Sinn und Werte

Phänomenologische und hermeneutische Perspektiven des europäischen Denkens

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Yvanka B. Raynova

Das zentrale Anliegen des Buches ist es zu zeigen, dass die Phänomenologie nicht nur aus dem Krisis-Denken entstanden ist, sondern, dass dieses es ihr auch ermöglicht hat, sich immer weiter zu entwickeln. Dadurch ist eine Vielzahl an phänomenologischen Richtungen und Methoden entstanden. Ferner wird gezeigt, inwiefern die Krise der Vernunft zu einer Krise des Sinns und des Seins führt, die wiederum die Werte infrage stellt und eine Wertkrise auslöst. Diese axiologische Unsicherheit, namentlich bei Sartre, Arendt, Ricœur und Derrida, spitzt sich in der Problematik der Verantwortung und des Menschlichen – die Menschenwürde und die Menschenrechte inbegriffen – besonders zu und mündet in die Notwendigkeit eines Umdenkens von Geschichte und Gemeinschaft.

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9. Menschenrechte und Menschenwürde: Auf der Suche nach einer anthropologischen Neubegründung durch die menschlichen Fähigkeiten

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9. Menschenrechte und Menschenwürde:Auf der Suche nach einer anthropologischen Neubegründung durch die menschlichen Fähigkeiten

In vielen einschlägigen Artikeln zur Würde des Menschen, wie z. B. in der französischen Ausgabe der Wikipedia1 und der Encyclopédie de l'Agora2 sowie in einigen Fachpublikationen3, wird oft folgende "Definition der Menschenwürde" Paul Ricœur zugeschrieben: "Quelque chose est dû à l'être humain du fait qu'il est humain" ("Es steht dem Menschen etwas zu, durch die Tatsache, dass er ein menschliches Wesen ist"). Das Zitat stimmt zwar, aber die Autorinnen und Autoren der genannten Beiträge haben Ricœurs Artikel "Pour l'être humain du seul fait qu'il est humain"4, aus der es entnommen wurde, so wie es aussieht nie gelesen; nicht nur, weil die Literaturangaben mangelhaft sind – es fehlt bei manchen der Aufsatztitel, auch die Seitenangaben sind ungenau –, sondern weil Ricœur in diesem Text überhaupt nicht über Würde, sondern über Menschenrechte spricht. Das Wort "Würde" (dignité) kommt gar nicht vor. Ich werde die ungekürzte Textpassage, aus der diese scheinbare "Definition" der Würde des Menschen herausgerissen wurde, später anführen. Hier möchte ich nur hervorheben, dass ohne den gesamten Ricœur'schen Artikel unter die Lupe zu nehmen, um sich den Kontext sowie Ricœurs Thesen genauer anzuschauen, aus dieser Textpassage allein kaum klar wird, worum es Ricœur eigentlich geht. Kein Wunder also, wenn es zu abfälligen Kommentaren gekommen ist, wie z. B. bei Marc Hal...

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