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Sein, Sinn und Werte

Phänomenologische und hermeneutische Perspektiven des europäischen Denkens

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Yvanka B. Raynova

Das zentrale Anliegen des Buches ist es zu zeigen, dass die Phänomenologie nicht nur aus dem Krisis-Denken entstanden ist, sondern, dass dieses es ihr auch ermöglicht hat, sich immer weiter zu entwickeln. Dadurch ist eine Vielzahl an phänomenologischen Richtungen und Methoden entstanden. Ferner wird gezeigt, inwiefern die Krise der Vernunft zu einer Krise des Sinns und des Seins führt, die wiederum die Werte infrage stellt und eine Wertkrise auslöst. Diese axiologische Unsicherheit, namentlich bei Sartre, Arendt, Ricœur und Derrida, spitzt sich in der Problematik der Verantwortung und des Menschlichen – die Menschenwürde und die Menschenrechte inbegriffen – besonders zu und mündet in die Notwendigkeit eines Umdenkens von Geschichte und Gemeinschaft.

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10. Von der europäischen "Sinnkrise" zu einem "neuen Ethos" für Europa

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10. Von der europäischen "Sinnkrise"zu einem "neuen Ethos" für Europa

Obwohl Paul Ricœur die europäische Problematik immer wieder thematisiert hat, wurde sie nie systematisch in einem speziellen Werk behandelt. Seine diesbezügliche Auffassung lässt sich jedoch anhand verschiedener, in seinen Aufsätzen verstreuter Stellen sowie durch diverse Gespräche und Interviews mit gewisser Konsequenz nachvollziehen. Die nun folgende Untersuchung setzt sich folgendes Ziel: erstens, die Haupttendenzen in der Entwicklung von Paul Ricœurs facettenreicher Phänomenologie und Hermeneutik der europäischen Geschichte in wesentlichen Zügen zu rekonstruieren; zweitens, das Spezifische seiner Konzeption gegenüber derjenigen Husserls hervorzuheben, und drittens, den konzeptuellen Beitrag der Ricœur'schen sozio-historischen Hermeneutik hinsichtlich der Integrationsproblematik der Europäischen Union sichtbar zu machen.

10.1. Die europäische Krise und der phänomenologische Sinn der Geschichte

Dadurch, dass die europäische Thematik für Ricœur einen vorwiegend geschichtlichen bzw. geschichtsphilosophischen Gehalt aufweist, wurde sie anhand von Begriffen wie "Tradition", "Gedächtnis", "Sinn", "Krise" u. a. ausgelegt. Oft wurde das Ricœur'sche Geschichtsdenken als ein von Husserl geprägtes Krisis-Denken dargestellt,1 was der Wahrheit nur teilweise entspricht. Vor ← 268 | 269 → allem scheint mir die Behauptung, dass Ricœurs "geschichtsphilosophisches Denken mit seinen Reflexionen über 'Husserl und den Sinn der Geschichte' begann"2, nicht haltbar zu sein. Bereits vor dem Aufsatz "Husserl et le sens de l'histoire", der 1949 veröffentlicht wurde, hatte sich Ricœur aktiv mit Geschichtsfragen befasst und Artikel mit politischen...

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