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Business-Fiktionen und Management-Inszenierungen

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Edited By Yvette Sánchez

Seit der Finanz-und Wirtschaftskrise von 2008 ist ein Anstieg literarischer und literaturkritischer Auseinandersetzungen mit der Figur des Managers und den Mechanismen der Geschäftswelt zu vermerken. Gleichzeitig setzen Unternehmen vermehrt auf das Distinktionsmerkmal der Kreativität. Dazu gehören die Methoden des Storytelling sowie der kunstbasierten Interventionen zur Personalentwicklung oder die Zusammenarbeit mit professionellen Theaterleuten an Aktionärsversammlungen.

Die in diesem Band vereinten vierzehn Beiträge aus verschiedenen Disziplinen testen die Grenzen zwischen den Künsten und der Wirtschaft. Es wird unter anderem die These aufgestellt, dass die Fiktionalitätsanteile in Romanen oder Theaterstücken niedriger ausfallen als in deklariert lebensweltlichen Inszenierungen von Managern.

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Novellistik und Ökonomie: Fiktionen des Wirtschaftens und Handelns in Il Novellino und Les Cent Nouvelles Nouvelles (Beatrice Nickel)

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Beatrice Nickel (Ruhr-Universität Bochum)

Novellistik und Ökonomie: Fiktionen des Wirtschaftens und Handelns in Il Novellino und Les Cent Nouvelles Nouvelles

1. Einleitende Betrachtungen

Völlig zu Recht hat Brockmeier als wichtige Entstehungsbedingung der Novelle die Entwicklung des Handels und den Aufstieg des Bürgertums identifiziert: „Die Nachricht ist das Medium des Handels, und gute Neuigkeit bedeutet dem Bürger seit je Profit und Vergnügen. Üppige Sammlungen von […] Novellen begleiten den Aufstieg des Bürgertums seit dem ausgehenden Mittelalter.“1. Die folgende Darstellung zeigt die Verbindung der frühen Novellistik mit der Ökonomie auf und konzentriert sich dabei auf zwei romanische Novellensammlungen, nämlich Il Novellino2 (zwischen 1281 und 1300) und Les Cent Nouvelles Nouvelles (ca. 1462), die stark von ersterer beeinflusst worden sind. Ganz allgemein gilt, dass die vom Novellino initiierte und sich ab der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts in Frankreich ausbreitende literarische Gattung der Novelle und der frühneuzeitliche Bürger in mehrerlei Hinsicht in engem Zusammenhang miteinander stehen:3 Erstens ist das Bürgertum das primäre Zielpublikum der Novelle, denn sie setzt notwendigerweise die Lesefähigkeit voraus und kommt aufgrund ihrer relativen Kürze dem nur über ein sehr begrenztes←187 | 188→ Zeitkontingent verfügenden, einen Beruf ausübenden Bürger entgegen, wie Werner Krauss zu Recht bemerkt hat:

Wie die Versnovelle in Frankreich, so ist die im 14. Jahrhundert von Boccaccio standardisierte Prosanovelle für das Bürgertum geschrieben. Während das feudalistische Epos...

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