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Akten des XIII. Internationalen Germanistenkongresses Shanghai 2015 – Germanistik zwischen Tradition und Innovation

Band 4

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Edited By Jianhua Zhu, Jin Zhao and Michael Szurawitzki

Der Band dokumentiert Sektionen aus dem Bereich Sprachdidaktik und Sprachvermittlung des Kongresses der Internationalen Vereinigung für Germanistik (IVG) in Shanghai 2015. Er beginnt mit der Sektion «Qualifizierung von DaF-Lehrkräften weltweit», darauf folgt die Sektion «Germanistische Qualifikationen weltweit: Curricula und Berufsbilder von AuslandsgermanistInnen». Die Sektion «Phonetik und Phonologie Deutsch als Fremdsprache» beschließt den Band.

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Wer hat Angst vor Literatur? Literaturdidaktik und Literaturvermittlung in der internationalen Germanistik

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„Der Genuss ist der, der uns glücklich macht, nicht der Besitz,“ schreibt Michel de Montaigne in seinen Essais1 und inspiriert damit den italienischen Philosophen Nuccio Ordine, der in seinem Bestseller L'utilità dell'inutile2 die unerträgliche Leichtigkeit der nutzenorientierten Bildung und des akademischen Konsumdenkens in Frage stellt. Es geht genau um das Thema, das angesichts der Umsetzung neuer Studienprogramme und damit verbundener aktueller Trendwörter wie Employability und Berufsbezogenheit in der gesamten wissenschaftlichen, besonders aber in der humanistischen Sphäre einen kontinuierlichen Diskussionspunkt darstellt.

In der Auslandsgermanistik, deren wichtigen Teil – wenigstens in der südosteuropäischen Tradition – das Lehramtsstudium ausmacht, gesellt sich zum allgemeinen Unbehagen noch die weitgehende Verabschiedung der Literatur aus dem Fremdsprachenunterricht, die ihre Legitimation scheinbar durch den Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmen, die „Bibel des Sprachenlehrens“3, erhalten hat. Die GER-Verfasser wollen den Praktikern zwar prinzipiell nicht vorschreiben, „was sie tun sollen oder wie sie etwas tun sollen“,4 dennoch suggerieren die Formulierungen, dass das Lesen und Verstehen von zeitgenössischen literarischen Prosatexten erst auf dem B2-Niveau, die Wahrnehmung der Stilunterschiede auf dem C1-Niveau und das mühelose Lesen und die schriftliche←181 | 182→ Auseinandersetzung mit literarischen Werken gar erst auf C2-Niveau zu bewältigen sind,5 allzu deutlich, dass literarische Texte generell als höchst komplexe Gebilde zu erfassen und als solche lediglich in die Spalte der „kompetente[n] Sprachverwendung“6 einzuordnen sind. Da der Großteil des DaF-Unterrichts im schulischen Bereich auf die Stufen A1–B1/B2 fokussiert wird, verwundert es nicht, dass...

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