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Akten des XIII. Internationalen Germanistenkongresses Shanghai 2015 – Germanistik zwischen Tradition und Innovation

Band 4

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Edited By Jianhua Zhu, Jin Zhao and Michael Szurawitzki

Der Band dokumentiert Sektionen aus dem Bereich Sprachdidaktik und Sprachvermittlung des Kongresses der Internationalen Vereinigung für Germanistik (IVG) in Shanghai 2015. Er beginnt mit der Sektion «Qualifizierung von DaF-Lehrkräften weltweit», darauf folgt die Sektion «Germanistische Qualifikationen weltweit: Curricula und Berufsbilder von AuslandsgermanistInnen». Die Sektion «Phonetik und Phonologie Deutsch als Fremdsprache» beschließt den Band.

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Die Wirkung „Prosodischer Schrift“ auf die Aussprache von japanischen Deutschlernenden: Handschriftliche und computergenerierte Varianten

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1. Einleitung

Das sog. „Gorilla-Experiment“ zeigt die Selektivität unserer Wahrnehmung. Im Experiment nahmen Versuchspersonen eine als Gorilla verkleidete Person unter Ballspielern nicht wahr, denn sie konzentrierten sich darauf, die Ballwechsel der hell-gekleideten Spieler zu zählen; doch Pseudo-Gorilla und Gegenspieler waren dunkel gekleidet. Wir sehen dadurch, dass wir unsere Umwelt nur selektiv wahrnehmen, obwohl wir meist von der Vollständigkeit unserer Wahrnehmung überzeugt sind.

Wagen wir eine Analogiebetrachtung. Beim Lesen eines Textes und dem gleichzeitigen Hören der zugehörigen Audio-Datei sind wir mit der Aufgabe beschäftigt, das Sichtbare mit dem Hörbaren zu matchen: Grapheme/Wörter/Sätze mit Lauten/Hörbildern/Äußerungen (die weißen Spieler). Störgeräusche nehmen wir dagegen sinnvollerweise nicht bewusst war (die schwarzen Spieler). Aber die Prosodie, etwas sehr Wesentliches, hören wir ebenfalls nicht (den schwarzen Gorilla).

Prosodie wird im gängigen Schriftsystem nicht visualisiert, weil Schrift für Native Speaker (=NS) optimiert wurde. Standardschrift kann Prosodie ignorieren, weil NSn prosodische Muster abrufbereit und ausreichend zur Verfügung stehen. Lerner aber erlernen Prosodie nur schwer, weil ihre Wahrnehmung die in Schrift unsichtbaren prosodischen Elemente systematisch ausblendet, auch beim Hören. Und darum versucht diese Forschung, Prosodie genau wie Segmente/Lexik/Syntax sichtbar zu machen, um die – durch die Standardschrift induzierte – unvollständige, verzerrte Wahrnehmung der Realität aufzubrechen. Wir entwickeln eine Schriftform, die Prosodische Schrift, in der neben allen Elementen der Standardschrift auch Prosodie visualisiert ist, ohne Zusatzsymbolik und bei Bewahrung der Orthografie.←285 | 286...

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