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Migration in Theologie und Kunst

Transdisziplinäre Annäherungen

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Edited By Hanjo Sauer and Julia Allerstorfer

Die Beiträge untersuchen disziplinübergreifend das Phänomen Migration. Die AutorInnen betrachten Migration als ein konstitutives Element der Menschheitsgeschichte und als globales Zukunftsthema. Spätestens seit Beginn der Flüchtlingswelle aus Syrien nach Europa und auch Österreich in den Sommermonaten 2015 ist diese Thematik integraler Bestandteil medialer, politischer und öffentlicher Kontroversen. Migration ist kein modernes Phänomen. Wanderungsprozesse aufgrund existenzieller Bedrohungen oder Hoffnung auf bessere Lebensbedingungen anderswo hat es immer gegeben. Die BeiträgerInnen diskutieren Migration aus den Perspektiven der Theologie, Philosophie und der Kunstwissenschaft. Die Bandbreite der Sujets reicht hierbei von alttestamentarischen Bibelstellen bis hin zum Europa der Neuzeit, über Kolonialismus, Imperialismus und Globalisierung. Aus kunstwissenschaftlicher Perspektive wird der Migrationsbegriff hinsichtlich unterschiedlicher Epochen und Kunstgattungen aufbereitet.

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Migration als Thema der Philosophie (Michael Fuchs)

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Michael Fuchs

Migration als Thema der Philosophie

Wir sind alle Afrikaner. Das ist die vielleicht überraschende Einsicht, die man aus den Forschungen von Svante Pääbo, dem Ko-Direktor des Leipziger Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie und Leiter der Abteilung für Evolutionäre Genetik, ziehen kann. Pääbo hat die Paläontologie durch die Paläogenetik zu neuen Möglichkeiten geführt. Vor allem hat Pääbo herausgefunden und belegen können, dass Neandertaler und moderne Menschen nicht einfach nebeneinander lebten, sondern dass es zwischen diesen Kontakte gab und gemeinsame Nachkommen. In unserem Genom ist nicht nur genetisches Material des frühen modernen Menschen, sondern es zeigt auch, dass wir, oder jedenfalls die meisten von uns, mit dem Neandertaler verwandt sind. Vor allem aber belegen die Forschungen der Paläontologie, dass unsere gegenwärtige Zivilisation und die Verteilung der Menschen über den Globus Ergebnisse von großen Wanderbewegungen sind. Migration ist ein Teil unseres Erbes.

Schaut man auf die Formulierungen aus der Anthropologie, insbesondere auf die der klassischen philosophischen Anthropologien aus der Frühphase des 20. Jahrhunderts, dann kann man das Phänomen der Migration mit dem Nichtfestgesetztsein des Menschen in Verbindung bringen. Im Phänomen der Migration zeigt sich die Offenheit der Mitglieder der menschlichen Spezies für unterschiedliche Umwelten und Lebensbereiche. Dass der Mensch wandern konnte, dass er sich ausbreiten konnte, hat Offenheit zur Voraussetzung.

In den Sozialwissenschaften und auch in der politischen Philosophie ist es üblich, Migration abzugrenzen...

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