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Literarische Erinnerung an den Ersten Weltkrieg in Regionen Mitteleuropas

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Edited By Maria Gierlak, Malgorzata Klentak-Zablocka and Thorsten Unger

In verschiedenen Regionen Mitteleuropas bewirkte der Erste Weltkrieg eine Umwälzung größten Ausmaßes. Das Buch geht der Frage nach, wie sich der Erste Weltkrieg im kulturellen Gedächtnis dieser Regionen niederschlägt. Zu der Erfahrung der hier lebenden Menschen verschiedener Nationalitäten gehörte unter anderem, dass sie oft zwischen den Fronten standen oder gezwungen wurden, als Soldaten bei fremden Truppen zu kämpfen. Neben belletristischen Texten und Dichtung im engeren Sinne untersuchen die Autorinnen und Autoren auch Dokumente, Ego-Zeugnisse und Artefakte der materiellen Kultur als Träger der kollektiven Erinnerung.

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Spannungen zwischen Region und Nation in Deutschland und Österreich und ihr Niederschlag in Buchreihen des Ersten Weltkriegs (Thorsten Unger)

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Thorsten Unger (Magdeburg)

Spannungen zwischen Region und Nation in Deutschland und Österreich und ihr Niederschlag in Buchreihen des Ersten Weltkriegs

Der Beitrag zeigt anhand von drei Buchreihen aus der Zeit des Ersten Weltkriegs – der Österreichischen Bibliothek, den Zeitbüchern und den Heimatbüchern für deutsche Kriegsgefangene –, dass das in Deutschland und Österreich propagierte Konzept der Nation in einem Spannungsverhältnis zu Integrationsangeboten der Regionen stand.

Schlüsselbegriffe: Nationdiskurs; Subversivität des Regionalen; Buchreihen; Hugo von Hofmannsthal; Hermann Hesse

In seiner Rede vom 4. August 1914 appellierte der deutsche Kaiser Wilhelm II. an die Fraktionen und Abgeordneten des Reichstags, ihre Partikularinteressen zurückzustellen und gemeinsam das nationale Interesse zu vertreten. „Ich kenne keine Parteien mehr, ich kenne nur Deutsche!“,1 lautet der aus dieser Rede besonders häufig zitierte Satz. Aber weitergehend forderte der Kaiser auch, sich „durch dick und dünn, durch Not und Tod“ hinter das kaiserliche Kriegsanliegen zu stellen und dazu „Konfessionsunterschiede“ abzulegen sowie auch „Stammesunterschiede“.2 Denn nicht nur politisch-wirtschaftliche und religiös-konfessionelle Spezialinteressen hätten die für den Krieg erforderliche Bündelung der Kräfte nicht zuletzt in finanzieller Hinsicht schnell gefährden können. Auch alle ‚Stämme‘, alle Regionen des Reiches sollten ihren Tribut zahlen und als geeinte ‚Nation‘ zusammenstehen.

Hinter dieser Beschwörung der nationalen Einheit verbirgt sich eine keineswegs unbegründete Sorge des Hohenzollernkaisers, denn die Spannungen insbesondere zwischen den nördlichen und den südlichen...

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