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Das Potsdamer Abkommen 1945–2015

Rechtliche Bedeutung und historische Auswirkungen

Christoph Koch

Der Sammelband behandelt die rechtliche und historische Bedeutung des Potsdamer Abkommens, das festlegt, wie die Alliierten ihre durch Debellation des Dritten Reiches erworbene oberste Regierungsgewalt über Deutschland wahrzunehmen gedachten. Die Intention war die Schaffung eines demokratischen Deutschland, von dem hinfort keine Gefahr für den Weltfrieden ausgehen sollte. Zu den Hindernissen ihrer Verwirklichung gehört der Ausbruch des Kalten Kriegs, der das brisante Patt von Ost und West erzeugte, das Europa eine seiner längsten Friedenszeiten eintrug. Dazu gehört zudem das westdeutsche Gegenprogramm, das die Verbindlichkeit des Abkommens für Deutschland leugnet und ihm die Behauptung des Fortbestands des Deutschen Reiches über den 8.5.1945 und die Identität der BRD mit diesem entgegensetzt. Beide Widerstände fanden in der Aufnahme der BRD in das westliche Bündnis zusammen, durch die sich die BRD in der von den Nationalsozialisten angestrebten Koalition sah und Hoffnungen auf eine Revision der Niederlage hegte, denen der «2+4-Vertrag» ein vorläufiges Ende setzt.

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Feuer und Wasser – Potsdamer Abkommen und Deutschlanddoktrin (Christoph Koch)

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Christoph Koch

Feuer und Wasser – Potsdamer Abkommen und Deutschlanddoktrin

Feuer und Wasser – der Volksmund bemüht beide Elemente, um einen unversöhnlichen Gegensatz zu bezeichnen. Treffen Feuer und Wasser zusammen, so erlischt das Feuer oder es verzischt das Wasser. Eine friedliche Koexistenz beider ist ausgeschlossen. Und dennoch haben sie in der bundesdeutschen Nachkriegswirklichkeit bis in die jüngste Vergangenheit nebeneinander existiert. Es bedurfte einer beachtlichen Kunstfertigkeit, um zu verhindern, daß sie miteinander in Konflikt gerieten. Wo die Aufmerksamkeit nachließ oder probeweise nachgelassen wurde, gab es Dampf. Für den Brandschutz ist das offene Feuer die geringste Gefahr. Problematisch wird es, wenn er das Feuer zu Unrecht für gelöscht oder für erloschen hält. Ein unbemerkt fortglimmendes Feuer wird im schlimmsten Fall zum verborgenen Schwelbrand. Das ist der Stand der Dinge.

Wie Feuer und Wasser verhalten sich zwei Konzeptionen, die die bundesdeutsche Nachkriegsgeschichte nachhaltig bestimmt haben. Das Wasser ist die Konzeption der Siegermächte des Zweiten Weltkriegs, die den Herd des letzten von Deutschland entzündeten Weltbrandes für alle erdenkliche Zeit zu löschen und Deutschland zu einem gemeinverträglichen Staatswesen unter seinen europäischen Nachbarn zu machen suchte. Das Feuer ist der Gegenentwurf, mit dem der Westteil des besiegten Deutschland sich der Konzeption der Siegermächte zu entziehen suchte, sich entzogen hat und das er als Mittel fortdauernden Entzugs in das vereinte Deutschland hinüberrettete. Der Ostteil des Landes hatte dazu weder Gelegenheit noch Veranlassung.

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