Show Less
Restricted access

Text und Holocaust

Die Erfahrung des Ghettos in Zeugnissen und literarischen Entwürfen

Series:

Jacek Leociak

Der Autor analysiert Tagebücher, Erinnerungen, Memoiren, Chroniken, Berichte und Briefe, die während der Zeit des Zweiten Weltkriegs und der deutschen Besatzung im und um das Warschauer Ghetto entstanden. Er untersucht die Gattungsspezifik und den speziellen Status dieser Texte, die das in Worte zu fassen versuchen, was gemeinhin als unbeschreibbar gilt. Der Autor widerspricht der verbreiteten These von der Unausdrückbarkeit. Er betont die Notwendigkeit des Ausdrucks jener Erfahrung und die Notwendigkeit des Versuchs zu verstehen.

Show Summary Details
Restricted access

1 Die Suche nach einer Formel

Extract

Die Texte, mit denen ich mich in dieser Arbeit befassen möchte, zählen zur Literatur des persönlichen Dokuments – ein Begriff aus der humanistischen Soziologie. Ins Leben gerufen wurde die sogenannte Methode des persönlichen Dokuments von Florian Znaniecki, der die Autobiographie als wertvolles soziologisches Material entdeckte.9 Bei seiner Beschreibung dieses literarischen Phänomens betont Roman Zimand, dass sowohl Leser als auch Autoren und Forscher die Sonderstellung anerkennen, die das persönliche Dokument in der Literatur einnimmt. Innerhalb der Gattungsgemeinschaft jedoch sind die Grenzen zwischen den einzelnen Varianten fließend und leicht überschreitbar. Jene Leichtigkeit bei der Übertretung von Gattungsgrenzen, deren Ursprung Zimand in der personalisierten Narration sieht (die grammatische Dominanz des Singulars in allen Varianten), ist eines der drei Kriterien, die er vorschlägt, um die Gattungsspezifik der Literatur des persönlichen Dokuments zu erfassen. Die beiden anderen Kriterien sind der verschwimmende Gegensatz zwischen „Wahrheit“ und „Erdachtem“ (das Spiel zwischen der Referenzialität eines Textes und den kompositionellen Erzählregeln) und die große Vielfalt von Gattungen und Varianten.10

Auffällig bei der hier untersuchten Textgruppe ist die – nicht selten erhebliche – Spannung zwischen der Einschätzung und Benennung der Texte durch ihre Autoren einerseits und der Zuordnung der Texte anhand ihrer textuellen Merkmale andererseits. Nicht die endgültige Einteilung in Gattungen und komplizierte Klassifikationen habe ich hier jedoch im Sinn; mir ist bewusst, dass eine vollkommene Präzisierung unter diesem Gesichtspunkt weder erreichbar ist noch Erkenntnisgewinn verspricht. Im Übrigen sollen genologische Forschungen auch gar nicht Gegenstand...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.