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Geschichte des Neukantianismus

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Andrzej J. Noras

Das Buch ist die erste systematische Bearbeitung der neukantianischen Philosophie. Eine der wichtigsten philosophischen Richtungen der Wende des neunzehnten und zwanzigsten Jahrhunderts stand im Mittelpunkt des Interesses und der Analyse, aber aus vielen Gründen wurde sie etwas vergessen. Erst in den 1980er-Jahren begann die Forschung zum Neukantianismus wieder. Der Bezugspunkt war der erste Versuch, den Neukantianismus zu kodifizieren, der 1923 in der von K.T. Österreich herausgegebenen Grundriss der Geschichte der Philosophie von F. Überweg gemacht wurde. So erhält der Leser einen Überblick über die wichtigsten Vertreter aller sieben neukantianischen Richtungen.

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Einleitung

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Der bedeutende spanische Philosoph José Ortega y Gasset, der seinerzeit mit der Marburger Schule verbunden wurde, hat festgestellt: „Im Zeitraum zwischen 1840 und 1900 hat […] die Menschheit eine geistige Wegstrecke zurückgelegt, die von allen Epochen der Philosophie am wenigsten günstig war. Es war ein antiphilosophisches Zeitalter.“1

Wenn wir davon ausgehen, dass der Beginn des 19. Jahrhunderts im Zusammenhang mit der Dominanz der hegelschen Philosophie stand, die auch noch etwa zehn Jahre nach seinem Tod aktuell war2, so zeigt sich, dass das 19. Jahrhundert nicht so sehr eine antiphilosophische Zeit, sondern vielmehr eine Zeit der Spekulationen und der Opposition gegen diese Spekulationen war, die mit dem philosophischen System von Hegel gleichgesetzt werden kann. Diese Überzeugung ist, wie jede Verallgemeinerung, eine vereinfachte Vision der Philosophie des 19. Jahrhunderts. Das Problem besteht darin, dass die meisten Schwierigkeiten in der Geschichte der Philosophie in Vereinfachungen, Missverständnissen und auch Verzerrungen bestehen. Ich sage nicht, dass diese Fehler beabsichtigt sind wie die Tat Herostrats. Dennoch führen sie zu dem Ergebnis, dass sie das Bild der Gesamtheit einer Philosophie oder ihre Fragmente zu stark vereinfachen. Mit einer solchen Situation haben wir es auch beim Neukantianismus zu tun, der eine komplexe philosophische Bewegung ist, sodass diese Komplexität als das Wesen dieser Bewegung betrachtet werden muss. Den Standpunkt von Ortega y Gasset bestätigte der polnische Vertreter der neukantischen Marburger Schule, Władysław Tatarkiewicz, der zu Beginn des dritten Bandes seiner Geschichte der Philosophie schreibt: „Es muss gesagt...

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