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Die niederdeutsche Sprachgeschichte und das Deutsch von heute

Dieter Stellmacher

Sprachen haben in der Regel ein langes Leben, die niederdeutsche ist 1000 Jahre alt. Der Autor untersucht die vielfältigen, von den Zeitgenossen kaum wahrgenommenen Veränderungen, denen die Sprache in dieser Zeit unterworfen war. Über Systemvergleiche, Textstudien und soziolinguistische Erhebungen ist die Sprachgeschichtsschreibung in der Lage, grundlegende Veränderungen zu erfassen – in Umbauten des Sprachsystems und in der Sprachverwendung. Sie lassen sich als gesetzmäßige Veränderungen verstehen und an der Geschichte des Niederdeutschen gut nachvollziehbar darstellen. Ein Vergleich mit dem Hochdeutschen zeigt, wie sich entgegengesetzte Entwicklungen heute darstellen und wie die Sprachkulturarbeit damit umgehen sollte.

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2. Sprache und Sprachen: die sprachliche Vielfalt

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Eine Sprache ist viele Sprachen (Mario Wandruszka 1979)

Was Sprache ist, weiß jeder oder glaubt es zu wissen. Auch dass darunter vieles verstanden werden kann: Die menschliche Fähigkeit, in einer oder in mehreren Sprachen zu handeln sowie die Art und Weise, das zu tun, z. B. in der Wahl des Tonfalls. So wird durch die Sprache die Identität des Menschen geprägt – oder wie es in der Bibel, in der Verleumdungsszene des Petrus (Matthäus 26, 73) heißt: „deine Sprache verrät dich“. Moderne niederdeutsche Übersetzungen reden hier nicht von Sprache, sondern von Mundaart, Tungenslag, Utspraak, von Sprachauffälligkeiten also, was auch an anderen Übersetzungen biblischer Texte zu beobachten ist.

Um die Thematik möglichst authentisch darzustellen, wird in dieser Schrift viel und länger zitiert werden, um zweierlei zu belegen: 1. die Traditionslinie des sprachgeschichtlichen Grundgesetzes, 2. wie es zu verschiedenen Zeiten verstanden und begründet worden ist. Die Zitate wie auch das umfangreicher angelegte Literaturverzeichnis entsprechen der Intention des ZOOM-­Formats, nämlich auf einen (wissenschaftlichen) Sachverhalt aufmerksam zu machen und Wege zu einer weiteren und vertieften Beschäftigung mit ihm zu weisen.

Die auf das System der Sprache bezogene Wissenschaft hat mit der von Ferdinand de Saussure (1857–1913) formulierten Trias von allgemeiner Sprachfähigkeit (le langage), konkreter Einzelsprache (la langue) und ihrer aktuellen Realisierung (la parole) das Grundmuster für die Sprachbestimmung beschrieben (de Saussure 2001, Kap. III §1). Demzufolge lautet ihre Definition in einem...

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