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Die niederdeutsche Sprachgeschichte und das Deutsch von heute

Dieter Stellmacher

Sprachen haben in der Regel ein langes Leben, die niederdeutsche ist 1000 Jahre alt. Der Autor untersucht die vielfältigen, von den Zeitgenossen kaum wahrgenommenen Veränderungen, denen die Sprache in dieser Zeit unterworfen war. Über Systemvergleiche, Textstudien und soziolinguistische Erhebungen ist die Sprachgeschichtsschreibung in der Lage, grundlegende Veränderungen zu erfassen – in Umbauten des Sprachsystems und in der Sprachverwendung. Sie lassen sich als gesetzmäßige Veränderungen verstehen und an der Geschichte des Niederdeutschen gut nachvollziehbar darstellen. Ein Vergleich mit dem Hochdeutschen zeigt, wie sich entgegengesetzte Entwicklungen heute darstellen und wie die Sprachkulturarbeit damit umgehen sollte.

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4. Sprache und Sprachgemeinschaft: die Sprachloyalität

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My culture and my language have the right to exist, and no one has the authority to dismiss that (James Kelman 1994)

Im Kontakt einer Standardsprache mit nicht standardisierten Sprachformen desselben Diasystems wird bald erfahren, dass es sich um unterschiedliche sprachliche Wertigkeiten hinsichtlich dessen handelt, was einem eine Sprache bedeutet und was man mit den Sprachen anfangen oder nicht anfangen kann. Und bei der Entscheidung für das Erlernen einer Zweitsprache ist die Überlegung, was man von ihr habe, vernünftig. Dabei spielt nicht nur das Prestige der Sprache eine Rolle, sondern auch, wie man persönlich zu ihr steht, die Sprachloyalität. Im Verständnis von Uriel Weinreich (1926–1967) ist das ein „Bewußtseinszustand, bei dem die Sprache […] als geschlossene Einheit und im Gegensatz zu anderen Sprachen einen hohen Rang in der Skala der Werte einnimmt, einen Rang, der der ,Verteidigung‘ würdig und bedürftig ist“. Dieses Gefühl ergibt sich aus der „affektiven Bindung an die eigene Muttersprache“ (Weinreich 1977, S. 131 f.). Als ein „Grundbedürfnis der Menschen […] verortet zu sein, gilt es – aus einer gesamtgesellschaftlichen Sicht heraus – besonders ernst zu nehmen“ (Lesle 1997, S. 26).

Ernst genommen wurde und wird es in der deutschen Dialektpflege in Norddeutschland, wo Niederdeutsch inzwischen als Regionalsprache Bestandsschutz erlangt hat (siehe weiter unten), aber auch, angetrieben vor einer Sorge um die Zukunft der Dialekte im Süden:←47 | 48→

„In jüngerer Zeit kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, man...

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