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Die niederdeutsche Sprachgeschichte und das Deutsch von heute

Dieter Stellmacher

Sprachen haben in der Regel ein langes Leben, die niederdeutsche ist 1000 Jahre alt. Der Autor untersucht die vielfältigen, von den Zeitgenossen kaum wahrgenommenen Veränderungen, denen die Sprache in dieser Zeit unterworfen war. Über Systemvergleiche, Textstudien und soziolinguistische Erhebungen ist die Sprachgeschichtsschreibung in der Lage, grundlegende Veränderungen zu erfassen – in Umbauten des Sprachsystems und in der Sprachverwendung. Sie lassen sich als gesetzmäßige Veränderungen verstehen und an der Geschichte des Niederdeutschen gut nachvollziehbar darstellen. Ein Vergleich mit dem Hochdeutschen zeigt, wie sich entgegengesetzte Entwicklungen heute darstellen und wie die Sprachkulturarbeit damit umgehen sollte.

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6. Zusammenfassung und Ausblick

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6. Zusammenfassung und Ausblick

Völker, […] die ihre Sprache liegen lassen, ja ausbluten, z. B. durch mediale Jargons, gehen der Sprache verlustig, zumindest lassen sie verludern (Helmut Henne 2012)

In dieser Schrift ist versucht worden, für die Anzeichen einer Dialektisierung des Gegenwartsdeutschen und einer Standardisierung des rezenten Niederdeutschen eine sprachwissenschaftliche Erklärung vorzustellen. Beide Entwicklungen markieren tiefe sprachgeschichtliche Einschnitte. Sie bedeuten im Falle der Dialektisierung aber nicht den Untergang des Deutschen und schon gar nicht Het einde van de standaardtaal (Van der Horst 2008). Es sind Stufen in der Geschichte der deutschen Sprachen. Und von lebendiger deutscher Sprache wird, unabhängig vom Sprachstatus, so lange die Rede sein wie es Kommunikationsgemeinschaften gibt, die sich deutscher sprachlicher Formen bedienen wollen. Unter diesen Sprachformen wird, sobald sich die Kommunikationsgemeinschaft einen staatlichen Rahmen gibt, auch eine standardisierte sein, funktioniert ein (demokratisches) Staatswesen doch nur, wenn die öffentlichen Angelegenheiten in einer allgemein akzeptierten und jedermann verständlichen Sprache geregelt werden können. Und akzeptiert wird diejenige Sprache sein, der sich die Sprachgemeinschaft auch emotional verbunden fühlt, was in der Regel die Muttersprache ist. Ihre emotional-­stabilisierenden Potenzen belegen Studien zum Niederdeutschen und zu anderen Regional- und Minderheitensprachen auch in institutionellen Kommunikationssituationen wie dem Arzt-­Patienten-­Gespräch←73 | 74→ und im Umgang mit Patienten in Pflegeeinrichtungen und Krankenhäusern: „[…] sihr oft seggen miene Lüd: ,Herr Professor (der Zitierte ist Professor für Innere Medizin, D.Ste.), kommen Sie doch mal und reden Sie mit dem plattdeutsch, vielleicht geht’s...

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