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Die Textsorte Rechtsbücher

Die Entwicklung der Handschriften und Drucke des Sachsenspiegels und weiterer ausgewählter Rechtsbücherhandschriften vom 13.-16. Jahrhundert

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Gabriele von Olberg-Haverkate

Gegenstand der Untersuchung ist der Objektbereich «Rechtsbuch» und seine heterogene Kategorisierung. Die Materialgrundlage bilden ausgewählte repräsentative Rechtsbücherhandschriften und keine Editionen. In vier synchronen Schnitten (um 1300, 1400, 1500, 1600) von je ca. 100 Jahren untersucht die Autorin die externen und internen Merkmale der Handschriften und Drucke, vorrangig des Sachsenspiegels, aber auch des Großen und Kleinen Kaiserrechts, des Mühlhauser Rechtsbuches und späterer Stadtrechtsbücher. Ergebnis ist die theoriebezogene Klassifikation der Textsorte «Rechtsbücher». Das besondere Kennzeichen der Textsorte ist die Art und Weise der Rechtslegitimation und das Spannungsverhältnis von Bewahren und Verändern. Seit dem 14. Jahrhundert bildeten sich verschiedene Varianten der Textsorte. In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts schließlich entwickelten sich aus den Varianten drei neue Textsorten «überregionales Kaiserrecht», «regional gebundenes Stadtrecht» und «gelehrtes, universitäres Recht».

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3. Sachsenspiegel Land- und Lehnrecht – Handschriften und Drucke

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3.1. Einführung

„Was Luthers Bibelübersetzung für die neuhochdeutsche Schriftsprache, bedeutet der Sachsenspiegel für die vorausgegangene mittelhochdeutsche Zeit: er hat als erstes Werk in deutscher Prosa Epoche gemacht.“68 Der Sachsenspiegel war nicht nur das Vorbild für die weitere Rechtsbuchproduktion (z. B. in Osteuropa und im süddeutschen Raum: Augsburger Sachsenspiegel, Deutschenspiegel, Großes Kaiserrecht resp. Schwabenspiegel und für zahlreiche Stadtrechte) im Mittelalter und in der frühen Neuzeit, er war auch das Rechtsbuch mit der größten und zeitlich längsten Geltung. „Wie die handschriftliche Überlieferung zeigt, gelangte das Rechtsbuch schon früh an den Niederrhein und von hier später als Holländischer Sachsenspiegel auch in die Niederlande.“69 Zusammen mit dem Magdeburger Stadtrechtsbuch wirkte der Sachsenspiegel bis weit nach Osteuropa (Krakau, Thorn, Lemberg, Minsk, Kiew, Vilnius, Riga, Reval).70 Im Königreich Preußen wurde der Sachsenspiegel 1794 durch das Allgemeine Landrecht abgelöst, im Königreich Sachsen im Jahre 1863 durch das Sächsische Bürgerliche Gesetzbuch, und in Anhalt und Thüringen wurde das Rechtsbuch erst im Jahr 1900 durch das Bürgerliche Gesetzbuch ersetzt.71 Es versteht sich von selbst, dass man bei einem so vielfältig rezipierten Text nicht von dem Sachsenspiegel ausgehen kann, sondern dass man eine sehr differenzierte Textentwicklung voraussetzen muss. Der Sachsenspiegel des Eike von Repgow gliedert sich in Land- und Lehnrecht und bezieht sich damit auf die bäuerlichen und ritterlichen Verhältnisse in Sachsen.72 Das Landrecht besteht aus gewohnheitsrechtlichen Regelungen,...

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