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Der Weltreisende Colin Roß vor deutschem und österreichischem Publikum

Massenkulturelle Vermarktung von Kriegserfahrung und Abenteuer (1912–1938)

Katalin Teller

Das Buch analysiert die Kriegs- und Reiseberichte des Reisejournalisten und -filmemachers Colin Roß (1885–1945). Roß galt in der Weimarer Republik als einer der populärsten Vertreter der geopolitisch interessierten Reiseberichterstattung. Als höchst relevant erweist sich dabei der Umgang von Roß und seinem Publikum mit dem reiseliterarisch geprägten Topos des Abenteuers sowie der Gattung des Kriegsberichts. Durch die jeweilige Adaptierung seiner Kriegserfahrung und des Abenteuer-Elements konnte Roß seine Werke für ideologisch und kulturell unterschiedlich orientierte Publika aufbereiten. Die Autorin vergleicht die deutschen und österreichischen Produktions- und Rezeptionsbedingungen und gibt Aufschluss darüber, wie sich diese Kultfigur einen festen Platz in der Öffentlichkeit sichern konnte.

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Betriebsanschluss als Coda: Kriegspublizistiksammlung und Wiener Vortrag, 1938

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Die Kultur wird blühen. Daß sie blühe, wurden ein paar Millionen zum Ackerdünger einrückend gemacht.158

Der Österreicher ist so deutsch wie seine Donau blau ist.159

1938 veröffentlicht Roß eine Auswahl aus seinen Kriegsreportagen, die er zwischen 1914 und 1918 der Vossischen Zeitung zukommen ließ.160 Obwohl dieser Sammelband einer der wenigen ist, die keine weiteren Auflagen erlebten (Rekordhalter ist Die Welt auf der Waage mit 34 Auflagen zwischen 1929 und 1941), ist die Entscheidung des Autors und seines Verlegers Brockhaus symptomatisch und spiegelt die zeitgenössische Marktlage zum zwanzigsten Jahrestag des Kriegsendes wieder, wenn auch hinsichtlich der vorangegangenen Hausse etwas verspätet: Seit Ende der 1920er erlebt die Publikation von unterschiedlichsten Auswüchsen der Kriegsliteratur eine Hochblüte.161 Eine der ersten polemisch-pazifistische und die←73 | 74→ internationale Bühne beachtenden Bestandaufnahmen aus 1931 betont die Kontinuität des Kriegserlebnisses und seine Heterogenität:

Denn jedenfalls dauert der Krieg fort in allen Europäern, auch wenn wir seine schwerlastenden Nachwirkungen in der Tagespolitik und seine zweifellose Unsterblichkeit in Schulbüchern abrechnen. Es dauert fort in den Seelen: Das Wie diktiert unser Wille mit; ob als Seuchenkeim oder als Selbstbesinnung oder als Unterhaltungsmaterial oder als Abernichts oder als Triebentladung oder als Ulk.162

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