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Kaisertum, Papsttum und Volkssouveränität im hohen und späten Mittelalter

Studien zu Ehren von Helmut G. Walther

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Edited By Stephan Freund and Klaus Krüger

Kaisertum, Papsttum und Volkssouveränität im hohen und späten Mittelalter sind zentrale Aspekte des wissenschaftlichen Œuvres von Helmut G. Walther. Aus methodisch und inhaltlich ganz unterschiedlichen Perspektiven wenden sich die einzelnen Autoren in ihren Beiträgen diesen Themen zu und bringen damit zugleich ihre langjährige Verbundenheit mit Helmut G. Walther zum Ausdruck. Die deutsche Königserhebung, das Verhältnis des Papsttums zu den deutschen Fürsten, die politische Theorie Wilhelm von Ockhams, die Symbolik des Reichs in Hansestädten, der Beitrag scholastischer Theologen zum werdenden Staat der Moderne sowie Wissen als soziales System stehen im Mittelpunkt der Untersuchungen.

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Die ostfränkisch-deutsche Königserhebung im frühen und hohen Mittelalter – Zeitgenössische Quellenaussagen und retrospektive Forschungskonstrukte (Stephan Freund)

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Stephan Freund

Die ostfränkisch-deutsche Königserhebung im frühen und hohen Mittelalter – Zeitgenössische Quellenaussagen und retrospektive Forschungskonstrukte*

Bis ins 13. Jahrhundert erfolgte die mittelalterliche Königserhebung1 – und damit die Bestimmung des obersten Verfassungsorgans der vormodernen Gesellschaft!2 – scheinbar ohne feste Regularien. Erst im Spätmittelalter kam es zur Ausformulierung entsprechender theoretischer Vorstellungen und Konzepte bis hin zur Entwicklung regelrechter Staatstheorien und erst damals begannen Kanonisten und Legisten nach der Legitimationsbasis von Königtum und Kaisertum zu fragen3. Im frühen und hohen Mittelalter hingegen bildete die Königserhebung vornehmlich ein konkret-praktisches Problem, das offenkundig keiner theoretischen Erörterung und Fixierung bedurfte, sondern im Zuge einer jeweils ad hoc erfolgenden Austarierung der gesellschaftlichen Kräfte eine Lösung erfuhr. Folgt man allerdings der bisherigen, überwiegend aus der retrospektiven Betrachtung urteilenden Forschung, so wurde das Handeln ← 9 | 10 → der ‚Großen‘4 im Wesentlichen vom Widerstreit zwischen den Prinzipien des Erb- und des Wahlrechts bestimmt5. Eine kritische Revision der bisherigen Forschungsdiskussion zum Komplex der Königserhebung im ostfränkisch-ottonisch-deutschen Reich des frühen und hohen Mittelalters erscheint vor dem Hintergrund dieser beiden konträren Perspektiven dringend erforderlich. Damit wird die Standortgebundenheit der bisherigen Fragestellung abgelöst zugunsten einer dem Untersuchungszeitraum adäquaten Betrachtungsweise.

1. Alte Schatten – Die Verfassungsgeschichte des 19. Jahrhunderts und die Folgen

Die deutsche Mediävistik hat lange Zeit unter der Dominanz der Verfassungsgeschichte gestanden, ja regelrecht gelitten, deren Fragestellungen unter dem Eindruck tagesaktueller Verfassungsdiskussionen des 19....

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