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Kaisertum, Papsttum und Volkssouveränität im hohen und späten Mittelalter

Studien zu Ehren von Helmut G. Walther

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Edited By Stephan Freund and Klaus Krüger

Kaisertum, Papsttum und Volkssouveränität im hohen und späten Mittelalter sind zentrale Aspekte des wissenschaftlichen Œuvres von Helmut G. Walther. Aus methodisch und inhaltlich ganz unterschiedlichen Perspektiven wenden sich die einzelnen Autoren in ihren Beiträgen diesen Themen zu und bringen damit zugleich ihre langjährige Verbundenheit mit Helmut G. Walther zum Ausdruck. Die deutsche Königserhebung, das Verhältnis des Papsttums zu den deutschen Fürsten, die politische Theorie Wilhelm von Ockhams, die Symbolik des Reichs in Hansestädten, der Beitrag scholastischer Theologen zum werdenden Staat der Moderne sowie Wissen als soziales System stehen im Mittelpunkt der Untersuchungen.

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Schöpfungstheologie und politische Theorie bei Wilhelm von Ockham (Volker Leppin)

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Volker Leppin

Schöpfungstheologie und politische Theorie bei Wilhelm von Ockham

Sicht man in der Theologiegeschichte nach einem Beispiel für die enge Verbindung theologischer Reflexion und gesellschaftlicher Realität im Mittelalter, so ist Wilhelm von Ockham geradezu der Paradefall hierfür. Schon in der Zeit, als er als Theologe in Oxford und wohl auch London tätig war1, gelangte er zu Äußerungen, deren Relevanz offenkundig über den rein akademischen Rahmen hinausging. Jedenfalls zog die Anklage durch den Oxforder Universitätskanzler Johannes Lutterell weite Kreise: Ockhams Orden, die Franziskaner, lud seinen Bruder vor, um die Rechtgläubigkeit seiner Auffassungen zu überprüfen, und am Ende gelangte Lutterell auch zu dem von Anfang an angestrebten Ziel eines Prozesses am Papsthof in Avignon. Dies war auch Ausdruck der um 1300 rapide ansteigenden Zentralisierung der Häresieprozesse – gleichzeitig mit Ockham befand sich Meister Eckhart als Angeklagter in Avignon2, und auch Marsilius von Padua musste eine Zensurierung seines wichtigsten Werkes, des „Defensor pacis“ erleiden. In dieser ohnehin brenzligen Atmosphäre wurde nun Ockham mit Fragen konfrontiert, die von höchster politischer Brisanz waren, ihm aber bislang, so sagt er selbst es zumindest später, noch nicht begegnet waren, obwohl es um Grundanliegen des Franziskanertums ging.

Im Zuge des dreizehnten Jahrhunderts hatten sich innerhalb der franziskanischen Bewegung unterschiedliche Auslegungen des Erbes von Franz von Assisi herausgestellt: Während die einen, die Konventualen, sich für ihren Lebensstil auf die maßvolle bullierte Regel des Ordens...

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