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Kaisertum, Papsttum und Volkssouveränität im hohen und späten Mittelalter

Studien zu Ehren von Helmut G. Walther

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Edited By Stephan Freund and Klaus Krüger

Kaisertum, Papsttum und Volkssouveränität im hohen und späten Mittelalter sind zentrale Aspekte des wissenschaftlichen Œuvres von Helmut G. Walther. Aus methodisch und inhaltlich ganz unterschiedlichen Perspektiven wenden sich die einzelnen Autoren in ihren Beiträgen diesen Themen zu und bringen damit zugleich ihre langjährige Verbundenheit mit Helmut G. Walther zum Ausdruck. Die deutsche Königserhebung, das Verhältnis des Papsttums zu den deutschen Fürsten, die politische Theorie Wilhelm von Ockhams, die Symbolik des Reichs in Hansestädten, der Beitrag scholastischer Theologen zum werdenden Staat der Moderne sowie Wissen als soziales System stehen im Mittelpunkt der Untersuchungen.

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Wissen als soziales System. Wissenskultur im Mittelalter (Johannes Fried)

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Johannes Fried

Wissen als soziales System. Wissenskultur im Mittelalter*

Helmut G. Walther zum 65. Geburtstag

Fatti non foste a viver come bruti,

ma per seguir virtute e conoscenza.

„Ihr seid nicht da, zu leben wie die Tiere,

Ihr sollt nach Tugend und nach Wissen streben.“

Der 26. Gesang des „Inferno“ ist berühmt. Dante ließ hier Odysseus den Untergang beschreiben, den diesem Bezwinger Trojas seine Wissensgier bereiten sollte, als er – ein „Wahnsinnsflug“ (folle volo) – jenseits der Säulen des Herkules (d.i. die Straße von Gibraltar) das offene Meer nach Westen und Süden durchdrang, dorthin, wohin kein Mensch sich hinauswagen sollte. Ein Riesengebirge türmte sich auf, ein Strudel öffnete sich, „bis über uns die Wogen sich geschlossen“. Tod und Hölle dem – so lautet Dantes Botschaft –, der über die gottgesetzten Grenzen hinausstürmte, „um die Welt zu erforschen“ (a divenir del mondo esperto).

In der Tat, die Kirchenväter – voran Augustinus – hatten Grenzen gewiesen. Weltkenntnis, grenzenloses Wissenwollen, Neugier allein, um dem Wissenstrieb zu frönen, verschafften keine Seligkeit. Gott hatte die Welt nach Maß und Gewicht und Zahl geordnet; und das zu wissen, solche Schönheit im Betrachten zu rühmen, mochte genügen. Odysseus’ hoher Sinn entsprang denn auch heidnisch-antiker Überlieferung und entsprach mit eben jenem Inhalt, den der Held ihm verlieh, gerade nicht dem christlich überformten Tugendideal der Zeit um 1300. Vor ihm war Odysseus’ Fahrt stolze...

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