Show Less
Restricted access

Venire contra factum proprium

Herkunft und Grundlagen eines sprichwörtlichen Rechtsprinzips

Series:

Lisa Isola

Dieses Buch untersucht die Herkunft des Verbots von «venire contra factum proprium». Ausgehend von den mittelalterlichen «Brocardica» wird die Quellenbasis analysiert, auf welche der berühmte Satz vom verbotenen Selbstwiderspruch gestützt wurde. Die herangezogenen Quellen entstammen zum Großteil dem «Corpus Iuris Civilis» und enthalten in erster Linie «Fallrecht». Der Beitrag der Juristen des Mittelalters besteht im Auffinden des dahinterstehenden Wertungsgesichtspunktes sowie in der Ausbildung abstrakter Abgrenzungskriterien. Die Autorin vereint beide Aspekte in einem komplexen Ansatz, um zu einem besseren Verständnis der Grundlagen des Rechts beizutragen.

Show Summary Details
Restricted access

II. Die Literaturgattung der Brocardica

Extract



1. Renaissance der Wissenschaften im 12. Jahrhundert

Die Zeit, welche unsere Literaturgattung hervorgebracht hat, wird aufgrund der alle Bereiche der Wissenschaften erfassenden Geisteshaltung auch als „Renaissance des Mittelalters“ oder genauer als „Renaissance des 12. Jahrhunderts“1, bezeichnet. Diese Strömung setzt – zumindest was die Rechtswissenschaften anbelangt – bereits Ende der ersten Hälfte des 11. Jahrhunderts ein2 und dauert bis zur zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts an. Einerlei ob man Anhänger der Kontinuitätstheorie ist oder davon ausgeht, dass die Beschäftigung mit dem römischen Recht im Westen zwischenzeitlich vollkommen abriss und die Quellen erst wiederentdeckt werden mussten, um eine neuerliche Erschließung zu ermöglichen3, lässt sich in dieser Zeit jedenfalls ein massiver Aufschwung bei der Bearbeitung und Nutzbarmachung des antiken Gedankengutes feststellen4.

Es entstehen Schülerkreise um einzelne Lehrer, die als universitates die Ursprünge unserer heutigen Universitäten bilden5. Weimar beschreibt im Vorwort eines einschlägigen Sammelbandes die Vorgänge dieser Zeit als Entwicklung von Theorie, Lehre und Praxis6. ← 15 | 16 →

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.