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Selbstverständnis im Spannungsfeld zwischen Diesseits und Jenseits

Die Lübecker Ratsherrenwitwen Telse Yborg (gest. vor 1442), Wobbeke Dartzow (gest. 1441/42) und Mette Bonhorst (gest. 1445/46)

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Ulrike Förster

Die Frauen der spätmittelalterlichen Ratsherren und Hansekaufleute wurden in der sozial- und wirtschaftshistorischen Forschung bisher kaum berücksichtigt. Ausgehend von diesem Defizit beschäftigt sich die Studie mit den Testamenten von drei Lübecker Ratsherrenwitwen. Dabei werden auch kultur- und literaturwissenschaftliche Fragestellungen aufgegriffen. Die Autorin analysiert die Vermächtnistexte – wegen ihrer kommunikativen Funktion in Anlehnung an die neuere Forschung auch als Selbstzeugnisse gedeutet – vor dem Hintergrund der von ihr ermittelten Biographien der Testatorinnen und mit Blick auf zeitgenössische konventionelle Handlungsmuster und Rollenbilder, um Personenaspekte der drei Frauen ableiten und ihnen als historischen Personen «ein Gesicht» geben zu können.

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4. Vergleichende Analyse der Testamente

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4.  Vergleichende Analyse der Testamente

Abstract: The last wills refer, to a varying degree, to familial and other relations as well as to connections to churches, religious communities and charitable institutions. Furthermore the distinct use of certain phrases as well as some distributions refer to the testators’ personal aspects and thus to their (differing) self-concepts.

Den der christlichen Lehre anhängenden Menschen des spätmittelalterlichen Lübeck wurde die Allgegenwart des Todes und damit die eigene Sterblichkeit nicht nur aufgrund der häufig wiederkehrenden Pestzüge, Grippeepidemien und sonstigen Seuchen, sondern auch wegen der kriegerischen Auseinandersetzungen, in welche die Stadt zeitweilig verwickelt war, sowie der Gefahren, mit denen das alltägliche Leben verbunden war, immer wieder aufs Neue bewusst.141 Testamente stellten eine Möglichkeit dar, Vorkehrungen für den Todesfall zu treffen, die nicht nur die Verteilung der irdischen Güter betrafen, sondern auch dem eigenen Seelenheil zugutekommen und die Leidenszeit im Fegefeuer verkürzen sollten. Die Lehre vom Purgatorium, in dem die nicht zur Hölle verdammten Christen ihre irdischen Verfehlungen qualvoll zu büßen hatten, war am Ende des 12. Jahrhunderts entstanden und hatte die Angst der Menschen vor dem Übergang ins Jenseits verstärkt; jedoch bestand mit der christlichen donatio pro anima die im Spätmittelalter als real wahrgenommene Aussicht, dass Werke ad pias causas des Verstorbenen oder seiner Angehörigen beim jüngsten Gericht ebenso wie die Fürbitte anderer Personen bei Gott gegen mögliche Verfehlungen aufgewogen...

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