Show Less
Restricted access

Musik und die Ordnung der Dinge im ausgehenden Mittelalter und in der Frühen Neuzeit

Series:

Karsten Mackensen

Die «Musica» ist in Weltvorstellungen des Mittelalters und der Frühen Neuzeit oft nicht nur ein Bestandteil des Wissens neben vielen anderen, sondern stellt ein übergeordnetes Ordnungsprinzip dar. Erstmals untersucht dieses Buch die genaue Stellung von Musik innerhalb der universalen Ordnung der Dinge, wie sie sich in enzyklopädischen Texten auch jenseits des fachdisziplinären Diskurses darstellt. Anhand zentraler Leitthemen wie Produktivität, Kombinatorik und Kosmologie führt die Untersuchung von der mittelalterlichen Logik Ramon Llulls über zahlreiche Stationen bis hin zur Weltkonzeption Athanasius Kirchers. Noch im 17. Jahrhundert, so wird deutlich, kann die Rolle der Musik nur vor dem Hintergrund der anhaltenden Wirksamkeit mystischer, magischer und kosmologischer Denkweisen verstanden werden.

Show Summary Details
Restricted access

Harmonie der Welt – Francesco Giorgio

Extract



Enzyklopädischer concentus der Nationen

Mit Francesco Giorgios Buch De harmonia mundi totius erscheint 1525446 erstmals ein Werk, das im Titel zugleich mit dem Postulat einer übergeordneten, musikalischen Harmonie den Anspruch erhebt, die Welt als Ganze zu erfassen. In diesem Sinne liegt hier eine enzyklopädische Konzeption vor, ohne dass im Entferntesten lemmatische Einträge oder Kapitel zu Fachdisziplinen zu erwarten wären. Dieses von der Musikwissenschaft bislang kaum beachtete Buch447 wirkt allein aufgrund des Titels wie eine Pforte zur Welt der großangelegten musikalisch-harmonikalen Entwürfe des 17. Jahrhunderts, und in der Tat liegt es nahe zu fragen, inwieweit sich ein Zusammenhang mit diesen musiko-kosmischen Weltentwürfen herstellen ließe. Dies umso mehr, als ja auch beispielsweise Mersenne, wie Giorgio, Mitglied eines Armutsordens war und Giorgios Buch eine nachhaltige Rezeption in Frankreich erfuhr, aber auch insofern generell Musik hier erstmals in der Frühen Neuzeit schon im Titel zum Leitmodell im Bemühen um eine Erklärung der Struktur der Welt erhoben wird. Die Parallelen insbesondere zur Musurgia universalis Kirchers sind teilweise frappierend (frappierend auch, insofern Kircher den Namen an keiner Stelle erwähnt), und alleine vor diesem Hintergrund lohnt sich ein genauerer Blick in das Werk.

Dass eine solche Publikation zu Beginn des 16. Jahrhunderts erfolgt, in einer Zeit religiöser Zweifel, aber auch Reformbewegungen, und überdies in einer geographisch-politischen Krisenregion, legt ebenfalls nahe, eine Analogie zu den Enzyklopädien des 17. Jahrhunderts zu bilden, die ihrerseits in mittelbarem oder unmittelbarem Zusammenhang...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.