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Facetten der Einsamkeit in musikalischen Monodramen des 20. Jahrhunderts

Musikdidaktische Zugänge

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Corinna Müller-Goldkuhle

Die Autorin widmet sich musikalischen Monodramen, einer besonderen Strömung des Musiktheaters im 20. Jahrhundert. In den Bühnenwerken für nur eine Singstimme wird die Einsamkeit häufig zu einem zentralen und zeitlos aktuellen Thema. Ebenso aus musikhistorischer wie musikdidaktischer Perspektive geht dieses Buch daher der Frage nach, auf welche Weise die Stücke Zugänge zur grundlegenden, menschlichen Erfahrung der Einsamkeit ermöglichen können. Dabei entstehen vier toposanalytisch und interdisziplinär angelegte Modelle zu «Erwartung» von Arnold Schönberg, «La Voix humaine» von Francis Poulenc, «Dnevnik Annï Frank» von Grigori S. Frid und «Neither» von Morton Feldman. Zugänge über Bilder, Inszenierungen und biografisches Material runden die Ansätze ab. Musikalische Monodramen erscheinen auf diese Weise grundsätzlich in neuem Licht.

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5 Übergreifende Ergebnisse der Einzelstudien

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5 Übergreifende Ergebnisse der Einzelstudien

5.1 Die Suche nach einem Gegenüber – Themen monodramatischer Einsamkeit

Musikalische Monodramen beweisen nicht nur in ihrer Eigenschaft, „Kurzopern“1402 zu sein, Aktualität für Bildungsprozesse. Die Fokussierung auf nur eine handelnde Person in einer zum ganzen Drama ausgeweiteten musikalischen Monologszene erweist sich in allen vier Stücken als Chance zu einer Auseinandersetzung mit Einsamkeit. Auch werkübergreifend lassen sich verbindende Ergebnisse als Abschluss des Hauptteils 2 zusammenfassen.

Einsamkeit bildet eine Dimension im Leben eines jeden Menschen, sie ist eine Grunderfahrung und Grundbefindlichkeit (vgl. Ht. 1, Kap. 1.1 und Tab. 18). Existentialphilosophisch ist sie einer der zwei Pole einer anthropologischen Dimension: Der Mensch tendiert dazwischen, einerseits ein autonomes Individuum und andererseits ein Gemeinschaftswesen zu sein. Er befindet sich in der Spannung zwischen Einsamkeit und einem Streben zu einer als erfüllt empfundenen Kommunikation (vgl. K. Jasper, Ht. 1, Kap. 1). Auf der Grundlage dieser anthropologischen Voraussetzung als überindividuelles Thema bilden individuelle Einsamkeitsbegriffe insbesondere in Form musikalischer, bildlicher und sprachlicher Vorstellungen die Basis didaktischer Auseinandersetzung, die u. a. auf Sehnsüchte und Ängste, auf emotionale und zwischenmenschliche Erfahrungen zurückgehen. Diese prägen u. a. die jeweilige individuelle psychologische Disposition im Empfinden von Einsamkeit sowie die individuelle Bewertung von Situationen des Alleinseins (vgl. Ht. 1, Kap. 1.2–1.5). Inwiefern der Ausdruck von Einsamkeit in den in anderen Lebenszusammenhängen entstandenen Werken verstanden werden kann, hängt auch von Tendenzen des epoche- und kulturabhängigen Einsamkeitserlebens ab.

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