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Erinnerungsimplantate – Der (Wieder-)Aufbau der Schlösser in Posen und Berlin im interdisziplinären Vergleich

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Edited By Dominika Gortych, Guido Hinterkeuser and Łukasz Skoczylas

Die interdisziplinäre Studie zu den (Wieder-)Aufbauprojekten des Berliner und Posener Schlosses verdeutlicht die unterschiedlichen Intentionen von Erinnerungsimplantaten. Die Autoren untersuchen die historische und kunstgeschichtliche Bedeutung der Schlösser mit Blick auf den Verlauf der Entscheidungsprozesse und der begleitenden Pressedebatten sowie schließlich auf die öffentliche Wahrnehmung der Bauten. Während das Berliner Projekt sich unter weitgehender Ausblendung der politischen zumindest ansatzweise auf die kulturelle Tradition Preußens beruft und als ein wichtiges Image-Projekt Deutschlands fungiert, hat das Posener fast ausschließlich eine lokale und politische Dimension, die nur im Kontext der Konkurrenz polnischer Städte um nationale Bedeutung zu verstehen ist.

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1. Erinnerungsimplantate. Konzeptualisierung des Begriffes (Łukasz Skoczylas)

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1.1. Was sind Erinnerungsimplantate?

Der Begriff „Erinnerungsimplantate“1 [poln.: implanty pamięci społecznej] wurde von Marian Golka entwickelt und bezeichnet „nachträgliche und post factum kreierte Bauten, Schriften, Bilder oder Filme, sowie Wissens- bzw. Bewusstseinsinhalte, die Mängel des Gedächtnisses beheben und vermeintliche Inhalte wiederherstellen oder sogar in neuer Form erschaffen sollen, die zur aktuellen Politik der Gemeinschaft oder zum deren aktuellen System an Interessen, Werten und Zielen passen“ (Golka 2009, 61). Diese sehr weit gefasste Definition betrifft ein ganzes Spektrum an materiellen und nicht materiellen Objekten und Artefakten. Laut Golka kann man unter Erinnerungsimplantaten einige Gruppen unterscheiden, die in unterschiedlichem Verhältnis zum sozialen Gedächtnis stehen. Er definiert ein Artefakt als Implantat aufgrund des Verhältnisses zwischen diesem und dem sozialen Gedächtnis. Unter sozialem Gedächtnis versteht er dabei „ein gesellschaftlich hergestelltes, umgestaltetes, relativ vereinheitlichtes und akzeptiertes Wissen über die Vergangenheit der jeweiligen Gemeinschaft. Dieses Wissen umfasst verschiede Inhalte, erfüllt verschiedene Funktionen, existiert dank verschiedenen Trägern und Medien des Gedächtnisses und gelangt zum Bewusstsein der Individuen aus unterschiedlichen Quellen“ (Golka 2009, 15). Es ist dies eine von vielen Definitionen der Forschung für soziales Gedächtnis. Diese Pluralität der Definitionen resultiert u. a. aus der Interdisziplinarität der erinnerungskulturellen Forschung und wird unterschiedlich, zum Teil sehr kritisch bewertet (vgl. Wertsch/Roedinger ← 15 | 16 → 2008). Um eine gewisse Einheitlichkeit der folgenden Reflexionen zu erreichen, wurde hier die Definition Golkas gewählt, weil sie zum besseren Verständnis des von...

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