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Entwicklungen des Buddhismus im zwanzigsten Jahrhundert in Indonesien

Strömungen, Verwerfungen und Aushandlungen der «Agama Buddha (di) Indonesia»

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Julia Linder

Dieses Buch untersucht den schwierigen Prozess, den der Buddhismus in Indonesien bis zu seiner staatlichen Anerkennung als Religion (Agama) durchlaufen hat. Dabei illustriert die Autorin die Verknüpfungen von Religions- und Minderheitenpolitik am Anpassungsprozess des Buddhismus an den Rahmen einer theistisch ausgerichteten Verfassung. Seine Positionierung in der religiösen Landschaft Indonesiens erfolgte dabei vor dem Hintergrund politischer Umwälzungen, einer geforderten Pancasila-Konformität und den Bedingungen des Religionsministeriums. Auch der Buddhismus muss, wie alle Religionen in Indonesien, einen Gott vorweisen. Die Protagonisten des Buddhismus haben innovativ auf diese Umstände reagiert. So entwickelte sich aus einer religionspolitischen Notwendigkeit eine facettenreiche Eigendynamik. Am Ende konfliktbehafteter Aushandlungsprozesse steht nun die Frage, ob es sich bei der «Agama Buddha (di) Indonesia» um den «Buddhismus in Indonesien» oder um einen «Indonesischen Buddhismus» handelt.

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4 Ergebnis: Strömungen, Verwerfungen und Aushandlungen der „Agama Buddha (di) Indonesia“ – im Bett des Prokrustes

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Die fünfziger Jahre lassen sich unter der Alten Ordnung als Phase des Aufbaus zusammenfassen. Eine buddhistische Infrastruktur wird zunehmend durch das Engagement der buddhistischen Laienorganisationen errichtet. Aus diesem Engagement heraus entstehen ab Ende der fünfziger Jahre erste Saṅgha-Strukturen. Auf diesem Hintergrund lässt sich auch die Herausbildung und besondere Relevanz des hierarchischen Laientitelsystems abbilden, das sich jedoch mit der Zeit gewissermaßen verselbstständigt und neue Strukturen verankert hat.

Ab den sechziger Jahren kommen nun zunehmend Konflikte innerhalb der Organisationen auf. Es folgen erste Spaltungen aufgrund dominierender, nicht miteinander in Einklang zu bringender Eigeninteressen. Hier spiegeln sich allerdings noch konkret organisationsinterne Konflikte wider. Erst im Zuge der nach 1965 einsetzenden Außeneinwirkungen, durch die politischen Umwälzungen im Zuge des Regierungswechsels in Indonesien und den zunehmenden Einflüssen des buddhistischen Umlandes bekommen diese Konflikte eine rasante Eigendynamik und politisieren sich zusehends.

Vor dem Hintergrund der radikalen Chinesen-Diskriminierung, der Kommunistenverfolgung und den argumentativen Verknüpfungen von Kommunismus und Atheismus, werden das Konzept von agama, das Ideal der Pancasila-Treue und die deutliche Ausrichtung auf Ketuhanan yang Maha Esa essentiell. Die Politik der Neuen Ordnung, die auf allen Organisationsebenen ein Einparteiensystem implementiert, mit der dadurch bedingten Vereinheitlichung und Zentralisierung der Institutionsstrukturen, wirkt sich nun zunehmend auch auf die buddhistische Landschaft aus.

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