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Die Entwicklung berufsbildender Schulen in Preußen, Sachsen und Württemberg zwischen 1869 und 1914

Ein Vergleich der preußischen, sächsischen und württembergischen Entwicklungen im beruflichen Schulwesen bis zum Ersten Weltkrieg

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Jingyoung Yu

Edited By Peter Nitschke

In der Hochindustrialisierungsphase zwischen 1869 und 1914 erlebte das technische Ausbildungswesen auf den Gebieten des Handels, der Industrie und des Handwerks sowie der Kunst in Verbindung mit einer Fachausbildung einen stetigen Wandlungs- und Anpassungsprozess. Die Autorin untersucht den Umwandlungsprozess des beruflichen Ausbildungswesens von der traditionellen Handwerkslehre zum modernen Ausbildungswesen in den drei Bundesstaaten Preußen, Sachsen und Württemberg während der Zeit von 1869 bis 1914.

Die Untersuchung trägt dazu bei, einen Überblick über die Entwicklung des niederen und mittleren technischen Schulwesens in Preußen, Sachsen und Württemberg während dieses Zeitraums zu vermitteln.

Das heutige duale Ausbildungssystem der Bundesrepublik Deutschland ist das Ergebnis einer langjährigen, tief in den Traditionen der einzelnen Bundesstaaten verwurzelten Entwicklung. Die Studie leistet einen Beitrag zum besseren Verständnis des dualen Systems.

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4.0 Konkretisierungsformen

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4.0  Konkretisierungsformen

4.1  Politische Debatten

In Kapitel 2 und 3 wurden institutionelle Aspekte und innere Qualifizierungselemente des gewerblichen Schulwesens betrachtet. Das gewerbliche Schulwesen entwickelte sich in jedem Bundesstaat von der Reichsgründung 1871 bis 1911 schrittweise durch Erlasse, Änderung der Gesetzgebung, durch Wechsel des Ressorts und durch Entstehung neuer Verbände, Interessenvertretungen und Institutionen. Welche Hintergründe und welche Absichten verbargen sich auf der politischen Ebene hinter solchen Ereignissen? Nicht nur in Preußen, sondern auch in anderen Bundesstaaten wie Sachsen und Württemberg gab es eine eigene Bildungspolitik und unterschiedliche Debatten über die Gestaltung des öffentlichen und nichtöffentlichen gewerblichen Bildungswesens. Im Folgenden wird untersucht, inwiefern durch Vorschläge, Überlegungen und zahlreiche Diskussionen die Beschlussfassung der Gesetze zustande kam, um die damalige (gewerbliche) berufliche Bildungspolitik in den drei Bundesstaaten nachzuvollziehen.

4.1.1  Preußen

Die Situation des gewerblichen Schulwesens in Preußen und die damit einhergehenden wichtigen Entscheidungen im Ressort des Fach- und Fortbildungsschulwesens werden am besten chronologisch dargestellt.

Carl Schröder untersuchte in seinem Buch „Hervorragende Förderungsstätten des Deutschen Handwerks“ im Jahr 1877 die Lage der gewerblichen Schulen (seine Untersuchung wurde vom preußischen Handelsministerium unterstützt). Mit seiner Beschreibung wollte er begründen, warum die politischen Entscheidungen zur Änderung notwendig waren. Schröder belegte anhand einer Statistik, dass Norddeutschland weit hinter den süddeutschen Staaten zurückgeblieben war: „Das Königreich Württemberg hatte bei 1 880 000 Einwohnern 153 gewerbliche Fortbildungsschulen...

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