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Albert Camus und das Kreuz

Raphael Maercker

Das Kreuz ist und bleibt ein Skandal. Nicht nur in öffentlichen Gebäuden und gesellschaftlichen Debatten, sondern auch bei Theologen erregt der Anblick des Gekreuzigten immer wieder Ärgernis.

Der Schriftsteller und Philosoph Albert Camus, der zeitlebens nach dem Sinn menschlicher Existenz angesichts des Todes fragte, bringt die Zweifel am christlichen Erlösungsglauben in seinen Werken exemplarisch zum Ausdruck. Er sieht in Jesus Christus sowohl den absurden Menschen, der in seiner Not von Gott verlassen ist, als auch den Revoltierenden, der sich gegen das Böse auflehnt und sein Leben für die anderen opfert.

In Auseinandersetzung mit Camus sucht die Studie nach einer zeit- und evangeliumsgemäßen Kreuzestheologie, die weder den Skandal leugnet noch die christliche Hoffnung verschweigt.

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Vorwort

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Eine Theologie des Kreuzes zu bearbeiten und zu durchdenken, gehört wohl zu den anspruchsvollsten und brisantesten Themen einer fundamentaltheologischen Fragestellung. Bereits ein kurzer Blick auf Paulus (cf. 1Kor 1,18–24) genügt, um das „scandalum“ des Kreuzestodes Christi zu erahnen. Den Blick in die heutige Welt hinzunehmend, die geprägt ist von fundamentalistischen Strömungen in allen Schattierungen, welche auch bisweilen vor Terror, Gewalt und Schmach gegenüber dem Menschen nicht zurückschrecken, gewinnt die Thematik noch einmal mehr an Aktualität und Zuspitzung. In dieser Publikation, zu der die Ehre ich habe, ein einleitendes Vorwort zu schreiben, wird Albert Camus mit in die Debatte genommen, dessen philosophisch-theologischer Beitrag auf dem Gebiet der Theologie meist – man möchte dies bedauern – beiseitegelassen wird. Was dieser aber einem Theologen zu denken aufgibt und fruchtbringend in die theologische Diskussion miteinbringt, um »nach einer sowohl zeit- als auch evangeliumsgemäßen Kreuzestheologie zu fragen«, das will vorliegende Veröffentlichung, die aus der Diplomarbeit des Autors erwachsen ist, untersuchen. Camus, der sich Zeit seines Lebens in einer Art Seelen- und Heimatverwandtschaft mit dem Kirchenvater Augustinus betrachtete, hatte sich – hierin ganz ähnlich seinem spätantiken Vorfahren – in seinen Suchbewegungen einem verschrieben, »zu lieben und zu bewundern«. Über das Leben beider Gottsucher ließe sich als Antriebsmotor für alles philosophisch-theologische Mühen folgerichtig das sagen, was der Heilige aus Thagaste einmal so umschrieb: „Stets müssen wir wachsam sein, daß wir nicht Schein für Wahrheit nehmen, daß arglistige Rede uns nicht betr...

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