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Die deutschen Friedensnobelpreiskandidaten im Kaiserreich 1901–1918

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Thomas Sirges

Der Friedensnobelpreis ist weltweit der renommierteste Friedenspreis. Bislang hat sich die Forschung auf die Preisträger konzentriert und den Konkurrenten nur bei strittigen Entscheidungen größere Beachtung geschenkt. Neben den Konkurrenten verzeichnen die Bewerberlisten eine beachtliche Zahl von Außenseitern, deren Wirken kaum vermuten lässt, dass sie einmal für den Friedensnobelpreis nominiert waren. Beide Gruppen – Konkurrenten und Außenseiter – müssen als ein bislang unerforschter Teil der Geschichte des Friedensnobelpreises gelten. Das Buch stellt die deutschen Kandidaten von 1901 bis 1918 vor, beleuchtet die Hintergründe und Begleitumstände ihrer Kandidatur und sucht nach einer Antwort auf die Frage, warum kein Deutscher im Kaiserreich mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet worden ist.

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6. Arthur Mülberger

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‘Für jeden aufrichtigen Menschen […] muß es evident sein, daß der Lauf der Dinge dem Frieden zustrebt. Ich möchte sogar die Behauptung wagen, daß die Epoche dieser entscheidenden Pazifikation nicht mehr weit entfernt sein kann: aller Wahrscheinlichkeit nach wird der Frieden das Werk des neunzehnten Jahrhunderts sein.’ (Arthur Mülberger: P.J. Proudhon. Leben und Werke, 1899)1

Arthur Mülberger (1847–1907), geboren in Hohenheim (Königreich Württemberg), besuchte das humanistische Gymnasium in Blaubeuren (1861–1865) und studierte Naturwissenschaften und Medizin in Tübingen und Wien (1865–1869). Während des deutsch-französischen Kriegs 1870/71 arbeitete er als Arzt in einem Lazarett in Nancy. Nach seiner Entlassung legte er die 2. medizinische Staatsprüfung ab und arbeitete ein Jahr lang in der privaten Irrenanstalt Kennenburg. Nach bestandener Doktorprüfung ließ er sich zunächst als praktischer Arzt in Herrenalb nieder, bis er schließlich 1885 zum Distriktsarzt in Crailsheim (Königreich Württemberg) bestellt wurde. Obwohl Mülberger auch als Mediziner einen guten Ruf genoss, galt seine ganze Leidenschaft den Naturwissenschaften2 und der Politik. Wie kein anderer Publizist in Deutschland setzte er sich für die Verbreitung der Ideen des französischen Sozialphilosophen und Ökonomen Pierre-Joseph Proudhon (1809–1865) ein, der “für eine Gesellschaftsordnung mit denkbar größter Autonomie der Individuen und möglichster Abwesenheit jedes obrigkeitlichen Zwanges”3 kämpfte.

Mit Proudhon verbindet sich bis heute eines der größten philosophischen Missverständnisse, weil sein Ausspruch “Das Eigentum ist der...

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