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Die deutschen Friedensnobelpreiskandidaten im Kaiserreich 1901–1918

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Thomas Sirges

Der Friedensnobelpreis ist weltweit der renommierteste Friedenspreis. Bislang hat sich die Forschung auf die Preisträger konzentriert und den Konkurrenten nur bei strittigen Entscheidungen größere Beachtung geschenkt. Neben den Konkurrenten verzeichnen die Bewerberlisten eine beachtliche Zahl von Außenseitern, deren Wirken kaum vermuten lässt, dass sie einmal für den Friedensnobelpreis nominiert waren. Beide Gruppen – Konkurrenten und Außenseiter – müssen als ein bislang unerforschter Teil der Geschichte des Friedensnobelpreises gelten. Das Buch stellt die deutschen Kandidaten von 1901 bis 1918 vor, beleuchtet die Hintergründe und Begleitumstände ihrer Kandidatur und sucht nach einer Antwort auf die Frage, warum kein Deutscher im Kaiserreich mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet worden ist.

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7. Jakob Münter

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[…] die ganze wirtschaftlich-soziale Frage ist weiter nichts als eine Rechenaufgabe; sie hat mit Religion, Klassengeist als solchem oder mit Politik direkt gar nichts zu tun, sondern ihr Kernpunkt liegt einfach darin, einen rechnerischen Ausgleichsmodus zu schaffen zwischen Kapital und Arbeit […]. (Jakob Münter 1905)1

Jakob Münter (1866–1945), gebürtig aus Eberstadt (Königreich Württemberg), nach eigenem Bekunden “[a]uf dem Lande geboren, also Bauernblut, aber in der Großindustrie und dem Großhandel aufgewachsen”,2 war um 1905 als Kaufmann in Heilbronn tätig. Um 1909 herum verlagerte er seine Aktivitäten nach Möckmühl (Königreich Württemberg) und eröffnete dort im April 1910 ein Kommissions- und Bankgeschäft, verließ jedoch im Januar 1916 die Stadt. Seit August 1920 wohnte er in Adolzfurt, heute ein Stadtteil von Bretzfeld (Baden-Württemberg). Finanziell war es in dieser Zeit schlecht um ihn bestellt.3 Später kehrte Münter wieder nach Möckmühl zurück, wo er der heute noch lebenden älteren Generation in Möckmühl als “Weltverbesserer”4 in Erinnerung geblieben ist.

Im Jahre 1905 hatte Münter die 55 Seiten umfassende Schrift Die reale Lösung der sozialen Frage. Zum Frommen aller Kulturvölker der Erde, die um die Frage der Gewinnbeteiligung der Mitarbeiter in der Industrie kreiste, im Selbstverlag herausgegeben. Das war nun keineswegs ein neuer, origineller Gedanke. Schon im vorangegangenen Jahrhundert hatten sich viele kluge Köpfe Gedanken darüber gemacht. Der → Verein für...

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