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Die deutschen Friedensnobelpreiskandidaten im Kaiserreich 1901–1918

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Thomas Sirges

Der Friedensnobelpreis ist weltweit der renommierteste Friedenspreis. Bislang hat sich die Forschung auf die Preisträger konzentriert und den Konkurrenten nur bei strittigen Entscheidungen größere Beachtung geschenkt. Neben den Konkurrenten verzeichnen die Bewerberlisten eine beachtliche Zahl von Außenseitern, deren Wirken kaum vermuten lässt, dass sie einmal für den Friedensnobelpreis nominiert waren. Beide Gruppen – Konkurrenten und Außenseiter – müssen als ein bislang unerforschter Teil der Geschichte des Friedensnobelpreises gelten. Das Buch stellt die deutschen Kandidaten von 1901 bis 1918 vor, beleuchtet die Hintergründe und Begleitumstände ihrer Kandidatur und sucht nach einer Antwort auf die Frage, warum kein Deutscher im Kaiserreich mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet worden ist.

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1. Deutsche Friedensgesellschaft

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Der Krieg steht im Widerspruch mit der heutigen Kulturstufe zivilisierter Nationen. Seine Beseitigung ist vom Standpunkte der Religion, der Sittlichkeit und der Volkswohlfahrt gleichmäßig geboten. Der Krieg ist nicht einmal ein notwendiges Übel, da internationale Streitigkeiten erfahrungsgemäß auf friedlichem Wege gerechter und dauernder beigelegt werden können. / Daher gebietet nicht nur die allgemein menschliche, sondern auch im höchsten Grade die patriotische Pflicht, zur Verhütung des Krieges mit seinen unabsehbaren Folgen alle Kraft einzusetzen. (Erstes Programm der Deutschen Friedensgesellschaft (DFG), 1897/98)1

Die Gründung der Deutschen Friedensgesellschaft (DFG) erfolgte auf Betreiben von Bertha v. Suttner und Alfred H. Fried am 9. November 1892 in Berlin.2 In ihrem Aufruf “An das deutsche Volk!” vom folgenden Jahr forderte die DFG die “Mitbürger und Mitbürgerinnen” auf, durch ihren Beitritt ihren Friedenswillen zu demonstrieren. (→ Anhang 16.a, S. 313–314) In seinem Grußwort auf dem 4. Weltfriedenskongress in Bern im Sommer 1892 hatte der deutsche Sprecher → Adolf Richter unumwunden bekannt:

Die Friedensidee mache auch in Deutschland Fortschritte, wenn sie auch noch immer als zarte Pflanze behandelt werden müsse. Die [Süddeutsche] Volkspartei3 bekenne sich in ihrem Programm als Partei des Friedens und unterstütze die Bestrebungen für internationale Schiedsgerichte.4 ← 231 | 232 →

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