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Die deutschen Friedensnobelpreiskandidaten im Kaiserreich 1901–1918

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Thomas Sirges

Der Friedensnobelpreis ist weltweit der renommierteste Friedenspreis. Bislang hat sich die Forschung auf die Preisträger konzentriert und den Konkurrenten nur bei strittigen Entscheidungen größere Beachtung geschenkt. Neben den Konkurrenten verzeichnen die Bewerberlisten eine beachtliche Zahl von Außenseitern, deren Wirken kaum vermuten lässt, dass sie einmal für den Friedensnobelpreis nominiert waren. Beide Gruppen – Konkurrenten und Außenseiter – müssen als ein bislang unerforschter Teil der Geschichte des Friedensnobelpreises gelten. Das Buch stellt die deutschen Kandidaten von 1901 bis 1918 vor, beleuchtet die Hintergründe und Begleitumstände ihrer Kandidatur und sucht nach einer Antwort auf die Frage, warum kein Deutscher im Kaiserreich mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet worden ist.

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2. Institut für Kultur- und Universalgeschichte

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[…] so liegt es von vornherein nahe, in dem Pazifismus eine Erscheinung höchster politischer Kulturblüte der europäischen Welt zu sehen […]. (Karl Lamprecht 1910/14)1

Das Königlich Sächsische Institut für Kultur- und Universalgeschichte an der Universität Leipzig war im Jahre 1909 von dem Historiker Karl Lamprecht (1856–1915) mit Unterstützung der sächsischen Regierung ins Leben gerufen worden. Lamprecht hatte sich als erster deutscher Historiker ernsthaft mit der Wirtschafts- und Kulturgeschichte, aber auch mit der Rechts-, Verfassungs-, Sozial- und Siedlungsgeschichte vom Mittelalter bis zur Neuzeit befasst. Treffend spiegeln sich in dem Begriff der Universalgeschichte, die auch die Lokal- und Regionalgeschichte und die vergleichende internationale Kulturforschung mit einschloss, seine breit gestreuten wissenschaftlichen Interessen wider: “Es gab keinen Zweig der Geschichte, vielleicht vom Altertum abgesehen, der ihn nicht interessiert hätte.”2 Bekannt gemacht hat ihn seine populäre zwölfbändige Deutsche Geschichte (1891–1909), von den Fachgelehrten mehrheitlich abgelehnt, vom historisch interessierten Publikum aber mit Begeisterung gelesen. In diesem Monumentalwerk versuchte er, die langen Entwicklungslinien und Zusammenhänge der wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und kulturellen Entwicklung herauszuarbeiten. Lamprecht ließ sich von dem Gedanken leiten, dass materielle und geistige Kultur eine Einheit bildeten, wobei sich nach 1900 das Gewicht zugunsten der letzteren verschob, “indem er den Geschichtsverlauf in das Prokrustesbett einer Abfolge jetzt nicht mehr ökonomisch, sondern psychisch verursachter Kulturstufen zwang.”3

Seine Forschungen haben Lamprecht viel Widerspruch eingetragen, und mit seinem Namen verbindet sich der sogenannte “Methodenstreit”.4 Die preu...

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