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Matthias Claudius als Literaturkritiker

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Geeske Göhler-Marks

Die Autorin befasst sich mit dem literaturkritischen Werk von Matthias Claudius im Rahmen des Rezensionswesens im 18. Jahrhundert. Claudius verfasste die meisten seiner Kritiken als Redakteur der Zeitung des «Wandsbecker Bothen» und nahm die Besprechungen größtenteils später in seine gesammelten Werke «Asmus omnia sua secum portans» auf. Die Untersuchung markiert die besondere Form der Poetisierung, die die Rezensionen im Werk von Claudius erfahren. Als kleine Kunstwerke stehen sie in den Asmus-Bänden gleichberechtigt neben den Gedichten und sonstigen Prosatexten. Auf der Grundlage der inhaltlichen und stilistischen Analyse der einzelnen Besprechungen fragt die Autorin, welche Position Claudius innerhalb der literarhistorischen, theologischen und philosophischen Diskurse seiner Zeit eingenommen hatte.

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I. Einleitung

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Matthias Claudius ist heutzutage vornehmlich als Lyriker bekannt. Sein „Abendlied“ gilt als das berühmteste deutsche Gedicht, und auch „Der Mensch“ oder „Christiane“ zählen nach wie vor zum lyrischen Kanon.1 Dass sein Werk allerdings nicht nur einige der schönsten Gedichte der deutschsprachigen Literatur umfasst, sondern sich auch durch eine Vorliebe für die kleinen Formen der literarischen Prosa auszeichnet, wissen nur die wenigsten. Claudius schrieb nie ein Drama und nie einen Roman, die Gründe dafür mögen fehlende Ausdauer, zu hohe Ansprüche oder auch schlichtweg Unvermögen gewesen sein. Offensichtlich lagen ihm jedenfalls die großen poetischen Formen nicht. Er versteht sich vielmehr auf die Kunst, aus wenig viel zu machen. Gedichte, Lieder, Epigramme, Verse, fingierte Briefe, kleine Abhandlungen und nicht zuletzt die Rezension bestimmen sein literarisches Schaffen. Diese grundlegende Prägung erfährt sein Werk auch durch die Ausrichtung auf das Medium der Zeitung. Nachdem sein Erstling „Tändeleien und Erzählungen“, eine kleine Sammlung poetischer Texte, die in der Tradition des Rokoko standen, nach dem Erscheinen 1763 von der Kritik als stümperhafte Nachahmungen von Gerstenberg und Gellert verrissen wurde, mag sich Claudius’ Hoffnung auf eine schriftstellerische Karriere zunächst zerschlagen haben.2 Erst mit seiner journalistischen Tätigkeit, die 1768 als Redakteur der „Hamburgischen-Adreß-Comtoir-Nachrichten“ begann, tritt Claudius als Schreibender wieder in die Öffentlichkeit. Ausgesprochen geistreich, witzig und originell sind bereits diese frühen Beiträge. Der viel beschworene „naive, launigte Ton“ wird allerdings erst durch ihn als Redakteur des „Wandsbecker...

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