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«Els catalans a l’Àfrica» – Die Rolle des Spanisch-Marokkanischen Kriegs von 1859/60 im katalanischen Identitätsdiskurs des 19. Jahrhunderts

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Ina Kühne

Die Autorin untersucht die Bedeutung des Ersten Spanisch-Marokkanischen Kriegs (1859–1860) im katalanischen Identitätsdiskurs des 19. Jahrhunderts. Sie analysiert, wie der Krieg die Herausbildung einer eigenständigen, katalanischen kulturnationalen Identität förderte. Die Studie weist auf der Grundlage bisher weitgehend unerschlossener Texte nach, dass die katalanischen Schriftsteller jener Zeit gezielt versuchten, das Massenereignis des Kriegs zu nutzen, um katalanische nationale Mythen und Symbole in der Bevölkerung zu verbreiten und dadurch zur Konstruktion einer katalanischen nationalen Identität beizutragen. Der politische Katalanismus des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts greift auf diese Identität zurück.

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Einleitung

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1. Problemstellung und Zielsetzung

Der Identitätsdiskurs in Katalonien ist heutzutage besonders aktuell. Vor allem in den letzten Jahren kam es vermehrt zu Manifestationen eines ausgeprägten katalanischen Identitäts- bzw. Nationalbewusstseins. So zog die im Autonomiestatut von 2006 enthaltene Bezeichnung Kataloniens als Nation einen monatelangen Rechtsstreit nach sich, da das spanische Verfassungsgericht diese Benennung für verfassungswidrig erklärte. In den folgenden Jahren ereigneten sich mehrere Massendemonstrationen, in denen die Katalanen umfassendere Autonomierechte sowie teilweise die politische Unabhängigkeit Kataloniens forderten. Die Identitätsdebatte kulminierte am 23. Januar 2013 in einer vom katalanischen Parlament verabschiedeten Souveränitätserklärung, mit der Katalonien das Recht auf Selbstbestimmung für sich beanspruchte. Für 2014 wurde ein Referendum angesetzt, in dem die Katalanen über eine mögliche Abspaltung vom spanischen Staat abstimmen sollten. Das Referendum wurde allerdings vom spanischen Verfassungsgericht verboten. Die katalanische Regierung umging aber das gerichtliche Verbot, indem die Befragung zu einem inoffiziellen Akt heruntergestuft und mit der Organisation eine separatistische Bürgerinitiative beauftragt wurde. Am 9. November 2014 wurde eine symbolische Abstimmung durchgeführt, bei der die Mehrheit der Befragten (81%) für eine Abspaltung von Spanien stimmte.1 Dieses Ergebnis verstand der damalige katalanische Ministerpräsident Artur Mas als Auftrag, mit Spaniens Regierungschef Rajoy schließlich ein endgültiges Referendum auszuhandeln. Seine Bemühungen führten allerdings nicht zum Erfolg. Am 15. Januar 2015 verkündete Mas, vorgezogene Neuwahlen des Regionalparlaments mit plebiszitärem Charakter durchführen zu wollen,2 bei denen über die...

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