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Himmlers Rennfahrer

Bernd Rosemeyer, der SS-Hauptsturmführer aus Lingen

Christoph Frilling

Bernd Rosemeyer, der weltberühmte Autorennfahrer der 30er Jahre, galt nach seinem Unfalltod 1938 als Vorbild für Generationen von rennsportbegeisterten Anhängern weltweit. Dass seine Rennkarriere eng verbunden war mit seiner Mitgliedschaft in der SS, ist zwar seit langem bekannt, wurde aber selten problematisiert. Rosemeyer wird bis heute weithin als unpolitischer Mensch dargestellt, der gezwungen gewesen sei, sich mit den Nationalsozialisten einzulassen, um überhaupt die Möglichkeit zu haben, als Rennfahrer auftreten zu können.

Das Buch untersucht die genaueren Umstände der Verstrickung Rosemeyers in den Nationalsozialismus und wendet sich gegen eine Fortsetzung eines unkritischen Rosemeyer-Kults. Anlass für diese Studie ist die geplante Eröffnung eines privaten Rosemeyer-Museums in Lingen.

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5. Wusste Rosemeyer nicht, dass die SS eine verbrecherische Organisation war?

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5. Wusste Rosemeyer nicht, dass die SS eine verbrecherische Organisation war?

Der NS-Terror wurde besonders deutlich in den ab 1933 eingerichteten emsländischen Konzentrations-lagern, die zunächst unter der Bewachung durch SS-Einheiten standen. Diese verbreiteten auch unter der emsländischen Bevölkerung Angst und Schrecken, und zwar in einem Maße, dass im November 1933 auf Anordnung von Göring die SS zweitweise abgezogen werden musste.

Hans-Peter Klausch

Aus vielen Quellen sind die spätestens seit Beginn der 30er Jahre belegten Aktivitäten der Nationalsozialisten und der SS bekannt. Bastian Hein, der u. a. als Referent für das Bundeskanzleramt tätig ist, berichtet von der Bildung einer 50.000 Mann starken Hilfspolizei der Nazis, der allein 15.000 SS-Mitglieder angehörten. Diese zeichneten sich aus durch „unbedingte Härte gegen die kommunistischen und sozialdemokratischen Erzfeinde der Nationalsozialisten“ (vgl. Hein 2015: 59). Schon kurz nach der Wahl Adolf Hitlers zum Reichskanzler entstanden im ganzen Reich 160 improvisierte Haftanstalten (vgl. ebenda: 60), u. a. auch im Emsland.

Aufgrund einer Notverordnung von Reichspräsident Hindenburg wurden bis Mitte 1933 – Rosemeyers Frühzeit in der SS – schon bis zu 25.000 Regimegegner eingesperrt. Im Emsland wurden insgesamt 15 Konzentrationslager errichtet, wo zwischen 3.000 und 5.000 Häftlinge als „Moorsoldaten“ Zwangsarbeit in den Moorlandschaften leisten mussten. Es gab solche Lager in Neusustrum, Esterwegen, Börgermoor, Aschendorf, Rhede, Walchum, Oberlangen, Wesuwe, Versen,←59 | 60→ Fullen, Groß-Hesepe, Dalum, Wietmarschen, Bathorn und Alexisdorf, also in unmittelbarer Nähe Lingens. Dies konnte...

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