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Familienpsychologische Sachverständigengutachten in Sorge-, Umgangs- und Kindeswohlgefährdungsverfahren

Zur effektiven Einbeziehung von psychologischen Sachverständigen in kindschaftsrechtlichen Verfahren zum Wohle des Kindes

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Meike Löwer

In jüngerer Zeit gerieten familienpsychologische Sachverständigengutachten in Kindschaftssachen zunehmend in Kritik. Aufgrund des besonderen Stellenwertes von Gutachten für den Verfahrensausgang sind Mängel bei deren Erstellung und Verwertung unbedingt zu vermeiden. Es existieren nur wenige gesetzliche Regelungen, die die Gutachtenqualität nicht hinreichend sichern können. Dem Missstand nahm sich der Gesetzgeber mit der Reform des Sachverständigenrechts 2016 an. Unter Berücksichtigung hierzu ergangener Rechtsprechung und aktueller sozialwissenschaftlicher wie psychologischer Erkenntnisse ermittelt die Autorin die immer noch bestehenden Schwachstellen in der Gutachtenpraxis und entwickelt Verbesserungsvorschläge von der Notwendigkeit der Einholung eines Gutachtens bis zu dessen Verwertung.

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4. Kapitel: Qualität familienpsychologischer Gutachten

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4.  Kapitel: Qualität familienpsychologischer Gutachten

Der zuvor dargestellte Mehrwert familienpsychologischer Sachverständigengutachten für die Sachverhaltsaufklärung in den verschiedenen Fallgestaltungen kindschaftsrechtlicher Verfahren hängt entscheidend von der Qualität der schriftlichen Ausarbeitung und der mündlichen Erörterung durch den Sachverständigen ab. Aufgrund der immer lauter werdenden Kritik an familienpsychologischen Gutachten muss den Fragen nachgegangen werden, wie es tatsächlich um die Qualität solcher Gutachten bestellt ist und was ein qualitativ gutes Gutachten auszeichnet. Zwei Professoren der Fernuniversität Hagen nahmen die aufkeimende mediale Kritik zum Anlass, Gerichtsgutachten aus dem Bereich des Kindschaftsrechts in qualitativer Hinsicht zu untersuchen.

A.  Anforderungen an (qualitative) familienpsychologische Gutachten

Um sich mit den Ergebnissen der Hagener Studie zur Qualität von familiengerichtlichen Gutachten auseinandersetzen zu können, ist zunächst zu klären, nach welchen (inhaltlichen) Gütekriterien sich ein „gutes“ Gutachten messen lässt.

I.  Keine rechtsverbindlichen Qualitätskriterien für die Gutachtenerstellung

Anders als für Gutachten in anderen Rechtsgebieten existieren für familienrechtspsychologische Gutachten im Familienrecht keine rechtsverbindlichen Qualitätskriterien für die Erstellung psychologischer Gutachten.1 Über die grundsätzlichen Rechte und Pflichten der §§ 402–414 ZPO hinaus wurden bisher keine rechtsverbindlichen Qualitätskriterien für die Erstellung psychologischer Gutachten normiert. Es steht im Ermessen des Sachverständigen, auf welche Weise er die Daten erhebt und wie er seine Erkenntnisse schriftlich übermittelt, solange sie den Kriterien der Nachvollziehbarkeit und Transparenz ← 195 | 196 → entsprechen.2 Ein...

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