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«Dritter» Weg und KAGH

Geschichte, Struktur, Zusammenhänge

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Matthias Nowotny

Der Band thematisiert die Zusammenhänge zwischen «Drittem» Weg und Kirchlichem Arbeitsgerichtshof in ihrer gegenseitigen Abhängigkeit und Entstehung. Die Kirchen eröffneten für die kollektivrechtliche Ordnung der Arbeitgeber-Arbeitnehmer-Beziehungen einen eigenen Weg. Was bedeutet dieser «Dritte» Weg für die Kirchen bei der Ausgestaltung des kollektiven Arbeitsrechts? Um diese Frage zu beantworten, berücksichtigt der Autor die aktuelle deutsche und europäische Rechtsprechung. Ferner beschreibt er die Herausbildung und den Aufbau einer kircheneigenen Gerichtsbarkeit. Das Buch zeigt, welche Chancen der «Dritte» Weg für das kirchliche Arbeitsrecht eröffnet. Dass dies nur in einem engen Miteinander zwischen kirchlichen Arbeitgebern und Arbeitnehmern geschehen kann, ist die Überzeugung des Autors.

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18 Von der MAVO über die Grundordnung bis zur Entstehung der KAGO

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18 Von der MAVO über die Grundordnung bis zur Entstehung der KAGO

18.1 Der Ursprung des „Dritten“ Weges

Die katholische Kirche hat auf Grund ihrer Tradition von jeher ein selbständiges Dienstrecht.1158 Für seine Gestaltung war als Vorgabe die Unterscheidung in Kleriker und Laien maßgebend. Das Dienstrecht der Kleriker ist durch das Kirchenrecht geregelt. Für die Erfüllung der Aufgaben, die keine sakramentale Weihe als Priester oder Diakon voraussetzen, standen vor allem die Mitglieder der religiösen Gemeinschaften, die Angehörigen der Orden und Kongregationen zur Verfügung.1159

Als sich in der letzten Hälfte des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts die Grundlagen des heutigen staatlichen, kollektiven Arbeitsrechts mit Koalitionsfreiheit, Tarifautonomie, Streikrecht und Mitbestimmung herausbildeten, konnte sich die katholische Kirche die Frage der Geltung dieser Grundlagen in ihrem Bereich bzw. die Schaffung eigener Formen der Arbeitsrechtsregelung allenfalls marginal stellen. Damals beschäftigte die katholische Kirche nämlich nur wenige Bedienstete aufgrund privatrechtlicher Dienst- und Arbeitsverträge. Im Übrigen herrschten Anstellungsformen, welche die katholische Kirche aufgrund ihrer Dienstherrenfähigkeit öffentlich-rechtlich regelte.1160

Zur Zeit der Weimarer Republik wuchs die Zahl der kirchlichen Arbeitnehmer kontinuierlich an, wenngleich es zu dieser Zeit noch immer mehr Priester, Kirchenbeamte sowie Angehörige von Orden und ähnlichen Gemeinschaften gab. Die institutionelle Trennung von Staat und Kirche durch den so genannten „Weimarer Kirchenkompromiss“ im Jahr 1919 stellte die Kirche zwar vor die Notwendigkeit zur Ordnung ihrer Rechtsverhältnisse für ihre Geistlichen und übrigen Mitarbeiter, dies...

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