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Theologie und politische Theorie

Kritische Annäherungen zwischen zeitgenössischen theologischen Strömungen und dem politischen Denken von Jürgen Habermas

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Eneida Jacobsen

Im Dialog mit der Politik- und Gesellschaftstheorie von Jürgen Habermas und gegenwärtigen theologischen Ansätzen, vor allem der Befreiungstheologie und der Öffentlichen Theologie, arbeitet diese Studie das demokratiepolitische Potential einer lebensweltlich verankerten Theologie heraus. Die Autorin zeigt auf, inwiefern die Rezeption alltäglicher Erfahrungen und Symbole sowohl den befreiungstheologischen Diskurs verändert als auch das politische System einer Gesellschaft näher mit den konkreten Lebensbezügen der Menschen vernetzt. Dadurch erweist sich Theologie auf neue Weise als gesellschaftspolitisch relevant. Zugleich sind die alltäglichen Erfahrungen von Menschen in ihrer theologischen Bedeutung zu würdigen. Aus dieser Vermittlung von Gesellschaftsanalyse, Theorie der Lebenswelt und kritischer Rekonstruktion christlicher Praxis erwächst eine neue Gestalt von Befreiungstheologie, die die Bedeutung des Lebensweltlichen für die gesellschaftliche Öffentlichkeit deutlicher zur Geltung bringt.

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Vorwort der Autorin

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Traurig sieht die politische Linke zu, wie die Arbeiterklasse in Brasilien ihre historisch geschaffenen Rechte nach und nach verliert. Der Angriff auf die Demokratie, der von der ökonomischen und politischen Elite gesteuert wird, richtet sich vor allem gegen die Armen, gegen jene, die kein Dach über dem Kopf, keinen Landbesitz, keine Gesundheit und keine Ausbildung haben. Während ein Großteil der Bevölkerung leidet und gegen Kürzungen im Sozialbereich protestiert, steigen die Gehälter von Richtern und Politikern weiter an. Aufgrund der Unterstützung der ideologisch vereinnahmten großen Medien und von Polizeigewalt bleibt die Regierung unempfänglich für Anfechtungen und Proteste von sozialen Bewegungen, Gewerkschaften und anderen Formen sozialer Zusammenschlüsse.

Der Vermittlungsprozess, der gesellschaftliche Forderungen mit dem politischen System in Verbindung bringt, fand bereits unter großen Einschränkungen und Schwierigkeiten statt; unter der Regierung des Präsidenten Michel Temers kam er schließlich zum kompletten Stillstand. Die Verzweiflung findet zweifellos in der öffentlichen Sphäre ihren Widerhall, doch bestehen auch Formen journalistischer, künstlerischer und musikalischer Kreativität, wie sie seit Langem nicht mehr in dieser Lebendigkeit vorzufinden waren. Sie sind das Werk einer Generation, die entschlossen den Weg in eine alternative politische Zukunft geht.

Das System politischer und ökonomischer Hierarchien in Brasilien ist an eine weiße, männliche und elitäre Lebenswelt gekoppelt und wird durch Gespräche und Vereinbarungen weitergegeben, die nicht einmal verhüllt werden müssen, um effektiv wirken zu können. Sowohl...

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