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Das Konzept des kollektiven ‹‹iǧtihād›› und seine Umsetzungsformen

Analyse der Organisation und Arbeitsweise islamischer Rechtsakademien

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Ahmed Gad Makhlouf

Das Aufkommen der Moderne und eine mit ihr einhergehende zunehmend globalisierte Welt hinterlassen auch ihre Spuren in der islamischen Normenlehre. So zeichnet sich ein Wandel einer ihrer Schlüsselbegriffe und bedeutendsten Instrumente, des iǧtihād, ab, welcher sich von nun an nicht mehr nur als individueller, sondern auch als kollektiver Reflexionsakt präsentiert. Dieser Entwicklung lag die Umstrukturierung des heutigen islamischen Rechts zugrunde. Das Interesse dieser Arbeit gilt deshalb der Untersuchung des kollektiven iǧtihād sowohl in der Theorie, als auch in der Praxis. Diese Studie legt den inhaltlichen und theoretischen Rahmen des kollektiven iǧtihād durch die innermuslimischen Diskurse dar und typisiert seine weltweit verbreiteten Institutionen. Dazu analysiert sie eingehend die Struktur und Arbeitsweise dreier exemplarischer Gremien.

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5 Der kollektive iǧtihād in der Praxis

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5 Der kollektive iǧtihād in der Praxis

Das Aufkommen der Idee des KI führte im gegenwärtigen islamischen Recht nicht nur auf theoretischer Ebene einen Wandel herbei. Insbesondere in seiner Praxis entfaltet dieser Wandel in der Moderne noch immer seine Wirkung. Im Gegenteil zur bisher praktizierten Normenfindung durch individuelle Rechtsgelehrten erfährt der Vorschlag, die Normenfindung in eine Kollektivform umzuwandeln, insbesondere um die Wende zum 20. Jahrhundert zunehmend Unterstützung. Die Normenfindungsvorgänge auf kollektiver Ebene wurden zunächst in Form einer gemeinsamen Fatwa-Erteilung im Rahmen nationaler Institutionen durchgeführt. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurden Versuche unternommen, diese kollektive Fiqh- bzw. iǧtihād-Praxis innerhalb internationaler Institutionen umzusetzen. So entstanden sukzessive einige transnationale Fiqh-Akademien, die sich hauptsächlich innerhalb der islamischen Welt finden. Daneben wurden allmählich auch einige nationale Rechtsakademien in diversen islamischen Ländern ins Leben gerufen.

In einer späteren Entwicklungsphase erfolgte die Institutionalisierung des KI außerdem in weiteren Institutionstypen, deren Anwendungsspektrum jedoch begrenzt ist. Hierzu gehören Fatwa-Gremien, Scharia-Boards und Scharia Councils, die als Spezial- oder Nebenformen des KI bezeichnet werden, da jede dieser Institutionen sich grundsätzlich auf ein bestimmtes Rechtsgebiet, wie Alltagsfragen, familiäre, finanzielle oder medizinische Angelegenheiten, spezialisiert.

Der vorliegende zweite Teil dieser Studie beschäftigt sich mit diesen verschiedenen Umsetzungsformen und der Institutionalisierung der Idee des KI in der Gegenwart. Dazu gehören verschiedene neu entstandene islamrechtliche Institutionen, deren Arbeitsmethoden bei der Normenermittlung auf gemeinschaftliche Vorgänge zur...

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