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Kiel und die Revolution von 1918

Das Tagebuch eines Werftingenieurs, verfasst in den Jahren 1917–1919. Edition und Textanalyse

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Klaus Kuhl

Das Tagebuch des Kieler Werft-Ingenieurs Andersen erlaubt es, das Verhalten von Angestellten während der Jahre 1917–1919 einzuschätzen. Dazu wird untersucht, welche Ereignisse ihm wichtig waren, welchen Eindruck sie auf ihn machten und wie er die Diskussionen in seinem Umfeld wahrnahm.

Daraus werden die Ursachen für die Änderung seiner Einstellung im Laufe dieser Jahre bestimmt. Die Ergebnisse werden neueren Thesen gegenübergestellt, die für die Akteure der Revolutionszeit stark eingeschränkte Handlungsmöglichkeiten sehen, so dass eine Ausweitung der revolutionären Bestrebungen nicht möglich gewesen wäre. Dies wird insbesondere im Hinblick auf eine mögliche Weiterentwicklung der Kieler Ansätze für eine durchgreifende Militärreform diskutiert.

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7. Fazit

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7. Fazit

Andersen stammte aus einem relativ wohlhabenden Elternhaus. Seine Eltern besaßen über 70 ha Land sowie eine größere Zahl an Nutztieren. Sie ermöglichten ihm eine Ingenieurausbildung und dadurch eine entsprechende Arbeit auf der Germaniawerft. Man kann Andersen damit zu der Gruppe der Angestellten und Beamten287 im deutschen Kaiserreich zählen und im weiteren Sinne zum Bürgertum288.

Andersen war ein vielseitig interessierter Mensch und führte vom August 1917 bis November 1919 ein knapp 200 Seiten umfassendes Tagebuch. Ein Adressat seiner Notizen ist nicht erkennbar. Er dürfte das Tagebuch nur für sich als Gedächtnisstütze und eventuell für eine spätere Auswertung, zum Beispiel der politischen Entwicklung und der Wetterdaten angelegt haben. Andersen lässt vielfach nicht erkennen, aus welchen Quellen seine Informationen stammen und was er selbst erlebt hat. Doch wo seine Aussagen mit anderen Quellen verglichen werden können – und das ist häufig der Fall – zeigt sich eine hohe Glaubwürdigkeit seiner Notizen. Generell lässt sich das Tagebuch damit als ein weitgehend um objektive Darstellung der Vorgänge bemühtes Dokument aus der Perspektive Andersens einschätzen.

Andersens Eintragungen zum Kriegsverlauf bis Ende 1917, wie im Kapitel 6.1 beschrieben, zeigten seine Hoffnung, dass Deutschland den Krieg siegreich beenden könnte. Auch die erste Erwähnung der Vaterlandspartei ließ noch keine Ablehnung erkennen. Die Stimmung schlug jedoch um, als nach dem Untergang des Zarentums in Russland Ansätze für ernsthafte Friedensbestrebungen deutlich...

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