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Timur Kibirovs dichterisches Werk in seiner Entwicklung (1979–2009)

Ringen um Werte in einer Zeit der Umbrüche

Series:

Marion Rutz

Ein Paradigmenwechsel Mitte der 1990er Jahre hat in der Slavistik die Gegenwartsliteratur als Thema etabliert, allerdings betraf er vor allem die postmoderne Prosa. Die Dichtung (Lyrik) erfuhr lange Zeit wenig Aufmerksamkeit. Diese Arbeit stellt einen der wichtigsten russischen Dichter der letzten Jahrzehnte vor: Timur Kibirov (*1955). Kibirovs Verstexte sind ein Seismograph der gesellschaftlichen Prozesse im spät- und postsowjetischen Russland. Immer wieder fragen sie nach moralischen, ästhetischen und religiösen Werten. Sie suchen nach einem Mittelweg zwischen den Extremen der ideologischen Verfestigung und des postmodernen Relativismus, ob sie in konzeptualistischer Manier sowjetische Ideologie dekonstruieren oder postmodern für Moral und Glauben agitieren.

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Inhaltsverzeichnis

INHALTSVERZEICHNIS

1.  EINLEITUNG

      1.1.  Kanonisierungsindikatoren, Forschungsüberblick, Fragestellung

      1.2.  „Staatsbürgerliche“ Thematik und Gesellschaftsbezug bei Kibirov

      1.3.  Intertextualität bei Kibirov

      1.4.  Terminologisches („Bezugstexte“, „Sprecher“)

      1.5.  Theoretische Verortung und Aufbau der Arbeit

2.  GRUNDLAGEN

      2.1.  Publikationskontexte und -geschichte

           2.1.1.  Kanonische Ausgaben im Vergleich

           2.1.2.  Drei Öffentlichkeiten

           2.1.3.  Kaukasus und Календарь

           2.1.4.  Durchstarten nach 1990 und Normalität

           2.1.5.  Sonderausgaben

      2.2.  Gliederung in Schaffensperioden

      2.3.  Kibirov und die Konzeptualisten

           2.3.1.  Kibirov als Schüler

           2.3.2.  Annäherungen an den Konzeptualismus (Kosuth, LeWitt, Grojs, Ėpštejn)

           2.3.3.  Der Konzeptualismus aus der Sicht zentraler Akteure (Prigov, Rubinštejn)

           2.3.4.  Kibirovs Ansatzpunkte

      2.4.  Kapitelresümee

3.  KOMISCHE SOWJET-DEKONSTRUKTIONEN

      3.1.  Werkkontext: Poetologische Reflexionen

      3.2.  Der doppelte Boden der Hagiographie: Когда был Ленин маленьким

           3.2.1.  Historisch-literarischer Hintergrund: Leninkult und Leninkritik

           3.2.2.  Prätexte und Überblick

           3.2.3.  Spielerische Tabubrüche

           3.2.4.  Subversive Symboliken

           3.2.5.  Alternative Kausalitäten

      3.3.  Die Prägung einer Mythosparodie: Жизнь К. У. Черненко

           3.3.1.  Die Černenko-Threnoi

           3.3.2.  Literarischer Hintergrund: Schreiben über die Führer

           3.3.3.  Topoi und Simulacra

           3.3.4.  Intimitäten und Problemstellen

           3.3.5.  Die Abrechnung mit der Sowjetliteratur

      3.4.  Kapitelresümee

4.  PERESTROJKA-PERSPEKTIVEN

      4.1.  Auswege aus der sowjetischen Gegenwart: Рождественские аллегории

           4.1.1.  Die christliche Alternative

           4.1.2.  Vier Fallbeispiele

           4.1.3.  Die generalisierenden nationalen Mottos

           4.1.4.  Emotive Perspektivierung und lyrische Katharsis

      4.2.  Kathartische Retrospektive: Сквозь прощальные слезы

           4.2.1.  Einordnung in den Geschichtsdiskurs

           4.2.2.  Die Gesamtperspektive: emotionale Trennung und pietätvolle Beisetzung

           4.2.3.  Das Narrativ ‚Tragödie‘

           4.2.4.  Fünf Konfliktfelder der Sowjetgeschichte

           4.2.5.  Kollektives Erinnern, individuelle Kommentierung, persönliches Einfühlen

           4.2.6.  Vergleichstext im Stil Prigovs: Любовь, комсомол и весна

      4.3.  Kapitelresümee

5.  KÜNSTLERISCHE NEUAUSRICHTUNG: FEINDBILDER UND VORBILDER

      5.1.  Poetische Wende: Das Vorwort zum Buch Стихи о любви

           5.1.1.  Polemische Abgrenzungen gegen die Perestrojka-Literatur

           5.1.2.  Jenseits der staatsbürgerlichen Pflicht: von der Leier zur Hirtenflöte

      5.2.  Legitimationsbestrebungen des Untergrunds: Versbrief an „Miša“ Ajzenberg

           5.2.1.  Unversöhnte Feinde: андеграунд vs. шестидесятники

           5.2.2.  Fraternisierung mit Mandel’štam

           5.2.3.  Auf den Spuren Sumarokovs

      5.3.  Antiromantik als neue Maxime: К вопросу о романтизме

           5.3.1.  Zur Orientierung: Termini, Werkkontext, Textgestalt

           5.3.2.  Im Brennpunkt: Aleksandr Blok

           5.3.3.  Die Spannbreite des Romantischen

           5.3.4.  Positive Projektionen: das „apollinische“ Puškin-Bild

      5.4.  Kapitelresümee

6.  DIE ENTFALTUNG DES ANTI-ROMANTISCHEN PROGRAMMS

      6.1.  Puškin als Konservativer: das Buch Послание Ленке и другие сочинения

           6.1.1.  Antiromantische Facetten in den Versbriefen an Gandlevskij und Pomerancev

           6.1.2.  Die Mottos: Selbstbespiegelung durch Puškin und seinen moralisch-erbaulichen Roman Капитанская дочка

           6.1.3.  Puškin als „Spießer“

      6.2.  In Deržavins Spuren: das Buch Парафразис

           6.2.1.  Deržavin’sche Bezüge im Zyklus Памяти Державина

           6.2.2.  Deržavins rurales Idyll als Vorlage: История села Перхурова

           6.2.3.  Die Verbindung von Ironie und Ernst: Молитва

      6.3.  Die Tochter als Katalysator der Postmodernekritik: Sonette an Saša Zapoeva

           6.3.1.  Iosif Brodskij als Repräsentant der Postmoderne

           6.3.2.  Timur Kibirovs (neosentimentalistische) Gegenposition

           6.3.3.  Die Selbstrelativierung durch die Nabokov-Allusionen

      6.4.  Kapitelresümee

7.  REAKTIONEN AUF DIE POSTMODERNE

      7.1.  Die Kritik aktueller philosophisch-philologischer Modelle (Интимная лирика)

           7.1.1.  Das Literaturverzeichnis als unausgeschöpfte Quelle

           7.1.2.  Distanzierung vom Bachtin’schen Karneval

           7.1.3.  Bekenntnis zum Phallogo- und Literaturzentrismus

           7.1.4.  Sackgassen der poststrukturalistischen Lektüre

      7.2.  Die Kritik des (post-)modernen ennui: Auseinandersetzung mit Baudelaire

           7.2.1.  Intertextuelle Hintergründe: Baudelaire, Cvetaeva

           7.2.2.  Die moderne Befindlichkeit als pubertäre Krise

           7.2.3.  Postmoderne Implikationen

           7.2.4.  Die Anbindung an das christlich verankerte Weltbild

      7.3.  Die Postmoderne als kreative Herausforderung (Amour, exil…)

           7.3.1.  Umberto Eco und andere: die Sekundaritäts-Problematik am Beispiel der Liebe

           7.3.2.  Variationen des Ewig-Gleichen

           7.3.3.  Rückbindung an die (fiktionale) Realität: die Adressatin

      7.4.  Kapitelresümee

8.  DIE ENGLISCHE LITERATUR: INSPIRATION UND LEGITIMATION

      8.1.  Anglophilie und Heimatdiskurs: Русская песня. Пролог (Сантименты)

      8.2.  Postmodernes Spiel aus dem Geiste der nicht-didaktischen Kinderliteratur

           8.2.1.  Humpty Dumpty & Šaltaj-Boltaj: Intertextuelle Überlagerungen

           8.2.2.  Autobiographische Projektionen

           8.2.3.  Spielerisches Untergangsszenario

           8.2.4.  Die antididaktische Literatur als Traditionslinie

      8.3.  Die Auseinandersetzung mit A. E. Housman (На полях «A Shropshire Lad»)

           8.3.1.  Leserlenkende Selbstauslegung: das auktoriale Vorwort

           8.3.2.  Aktualisierung und Personalisierung

           8.3.3.  Konträre Weltanschauungen

           8.3.4.  (Überraschende) Gemeinsamkeiten

      8.4.  Weltanschauungen im nationalen Wettstreit: Баллады поэтического состязания

           8.4.1.  Walter Scott und der englisch-französische Gegensatz

           8.4.2.  Intertextueller Anlass und Wahl der Gattungen

           8.4.3.  Für und wider Nietzsche

           8.4.4.  Kibirov als Ivanhoe und weitere Ritter-Motive

      8.5.  Literatur und Religion (Греко- и римско-кафолические песенки и потешки)

           8.5.1.  Das christliche Gesamtkonzept

           8.5.2.  Christliche Poetiken im Vergleich: Kibirov und Dorothy L. Sayers (Texte, Cover)

           8.5.3.  C. S. Lewis: Christliche Botschaft in literarischer Form

           8.5.4.  Natal’ja Trauberg und die christliche Intelligenzija

      8.6.  Dickens vs. Gogol’ und die Frage nach Europa: Лиро-эпическая поэма

           8.6.1.  Der intertextuelle Ausgangspunkt: Dickens, Chesterton, Мистер Пиквик в России

           8.6.2.  Ambivalentes Vorbild Gogol’ und slavophile Dimensionen

           8.6.3.  Vom anglophilen Projekt zur Englandkritik

      8.7.  Kapitelresümee

9.  REKAPITULATION UND FORSCHUNGSPERSPEKTIVEN

РЕЗЮМЕ (НА РУССКОМ ЯЗЫКЕ)

LITERATURVERZEICHNIS